Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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legbarkeit bemessen; stellt man sich auf diesen Standpunkt, so 
trifft Comtes hartes Urteil von der Liberté vagabonde der 
deutschen Ich-Philosophie zum Ziel. Vielmehr dargauf kommt 
es an, die Anregungen, die von der Philosophie der Früh— 
romantik ausgegangen sind, zu ermessen, gleichviel in welcher 
Form und in welchem Zusammenhange sie auftraten. 
Und da ist denn das Geringste, was sich für das Gebiet 
der Philosophie sagen läßt, noch immer, daß durch den ent—⸗ 
schiedenen Monismus der gesamten Richtung Lehren, denen 
wie dem Cartesianismus Geist und Materie als verschiedene 
Substanzen oder Faktoren galten, auf lange Zeit, im ganzen 
für das ganze 19. Jahrhundert, von entschiedener Vertretung 
in der Philosophie ausgeschlossen worden sind. Es war eine 
außerordentliche schützende Wirkung: sie isolierte die Entwick— 
lung der Wissenschaften gegenüber den Andrangsversuchen 
des christlichen Dualismus; sie machte die Philosophie frei, 
eine Metaphysik rein voraussetzungslos allein aus den wissen— 
schaftlichen Gegebenheiten als deren hypothetischen Abschluß zu 
entwickeln. 
Allein diese Wirkungen im engeren Bereiche, wie wichtig 
an sich, waren nicht die größesten. Diese lagen vielmehr auf 
einem Gebiete, dessen langsame Durchbildung überhaupt erst 
für das Zeitalter des Subjektivismus charakteristisch ist. Indem 
nämlich diese Zeit die einzelne Persönlichkeit frei stellt gegen— 
über Gott und Welt, verlangt sie im Grunde von jedermann 
die Durchbildung einer eigenen Weltanschauung; nicht zufällig 
ist es daher, wenn schon die großen Dichter der Empfind⸗ 
samkeit, vor allem aber des Klassizismus ohne Kenntnis 
ihrer persönlichen Weltanschauung kaum verstanden werden 
können 1. 
Wenn aber nun, mit steigender und sich verbreiternder sub⸗ 
jektivistischer Lebenshaltung in den weiten Kreisen der Ge— 
bildeten, diese Pflicht eben seit den Zeiten der Frühromantik 
immer mehr empfunden wurde: konnte sie dann in der Tat 
S. Band VIII, 2, S. 808 ff.
	        
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