Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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Philosophen mühsam zu deuten suchte, bei den Dichtern offener 
dargelegt, klarer veranschaulicht, wirksamer mitgeteilt — und 
ins Praktische, ins Leben hineingewendet. „Eine Idee ist“, 
heißt es im Athenaeum, „ein bis zur Ironie vollendeter Be⸗ 
griff, eine absolute Synthesis absoluter Antithesen, der stete 
sich selbst erzeugende Wechsel zweier streitender Gedanken. Ein 
Ideal ist zugleich Idee und Faktum. Haben die Ideale für 
den Denker nicht so viel Individualität wie die Götter des 
Altertums für den Künstler, so ist alle Beschäftigung mit 
Ideen nichts als ein langweiliges und mühsames Würfelspiel 
mit hohlen Formeln oder ein nach Art der chinesischen Bonzen 
hinbrütendes Anschauen seiner eigenen Nase.“ Wie anders muten 
schon diese Worte an, als jegliche philosophische Enthüllung 
der Geheimnisse des triadischen Schlusses! Aber nicht bloß 
die Denkmethode, auch das tiefe Denkpathos der Philosophie 
wird im Munde der Dichter seiner dialektischen Mystik ent— 
kleidet. Läßt Fichte von der These des Ichs zur Antithese 
des Nicht-Ichs und von da zur Synthese des Selbstbewußt⸗ 
seins einen dialektischen Prozeß verlaufen, so beschäftigt ihn 
dieser Gedanke nicht als ein dynamischer. Und lehrt Schelling 
das Erfließen der Natur- und Geisteswelt aus einem geistigen 
Indifferenzpunkte nach links und nach rechts gleichsam bis zu 
den niedrigsten Grenzen der Wirksamkeit natürlicher Agentien 
einerseits und andrerseits bis zu den höchsten Erscheinungs⸗ 
formen des Geistes: so verbindet er damit nicht eigentlich den 
Begriff des Werdenden, des tatsächlichen Evolutionismus. Und 
doch ist klar, daß Fichte und mit ihm auch Schelling, der ihm 
folgt, die psychische Statik, von deren Grundlage aus noch 
Kant durchaus geurteilt hatte, aufheben, und daß Schelling 
dem Gedanken einer organischen Entwicklung, ja selbst eines 
Evolutionismus der anorganischen Natur Freunde wirbt. Wird 
da nicht der Historiker eben in diesem Zusammenhange ihre 
Bedeutung sehen: sind sie ihm nicht gerade hierin die Dol— 
metscher des seelischen Charakters ihrer Zeit, der eben Aktua— 
lität war und Dynamis und darum die Welt dynamisch und 
aktuell zu spiegeln gezwungen blieb?
	        
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