Die Frühromantik.
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kennen lernen werden!, bis ihn der neue Realismus der
dreißiger und vierziger Jahre zum mehr äußerlich Genetischen
zurückschraubte und dynamische Anschauungen wieder durch
mehr statische ersetzte; aus ihr erhob sich der Gedanke des
Staates als Organismus und damit die reiche Blüte der
konservativ-klerikalen Staatslehren?.
Was aber vielleicht die stärkste Wirkung und Kraftprobe
zugleich dieser Philosophie wie freilich der Philosophie und des
— überhaupt war: aus diesem
Zusammenhange heraus erfolgte zum ersten Male der Versuch
einer Subjektivierung des Christentums.
Was man auch sagen mag: der Klassizismus hat zum
Christentum ein innerliches Verhältnis nicht gehabt. Man
höre die harten Worte Goethes: „Der Mensch ist wirklich in
die Mitte einer wirklichen Welt gesetzt und mit solchen Organen
begabt, daß er das Wirkliche und nebenbei das Mögliche er—
keunen und hervorbringen kann. Alle gesunden Menschen haben
die Uberzeugung ihres Daseins und eines Daseienden um sie
her.“ In keiner Weise gegen das Christentum unmittelbar
gesprochen, beweisen sie in ihrem unbedingten Greifbarkeits⸗
sinne um so mehr, wie fern ihrem Urheber, wenn vielleicht nicht
völlig christliches Genie, so doch sicher christliches Pathos stand.
Schillers Verhältnis zum Christentum war kaum inniger. Klassi⸗
zismus und Christentum hatten keinen Bund geflochten; niemals
m Grunde ließen die Götter Griechenlands den Heiland zu.
Anders stellte sich die Romantik schon wegen ihrer uni⸗
versalen Weite gegenüber allem Gewordenen. In ihr konnte
an die spärlichen Versuche angeknüpft werden, die bis dahin
die Geschichte einer Umbildung des Christentums in den Zeiten
des Frühsubjektivismus aufwies.
Im ganzen, man versteht es, hatte in dieser Zeit das
Christentum noch kein Verhältnis zu den neuen Lebensmächten
gewonnen; seine Lehre verharrte im allgemeinen noch in den
ES. unten Kapitel 2 Abschnitt IV.
S. den Schluß dieses Bandes.