Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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klarer Charakteristik; und eine Schilderung der Außenwelt 
dominiert, welche die Natur nur in ihren gröbsten Zügen als 
Behausung von menschlichen und übermenschlichen Geistern zu 
kennen scheint. 
So war denn die Erzählung der Frühromantik eigentlich 
etwas auf mystischem Hintergrunde Subjektiv-Lyrisches: und 
hieraus wäre zu schließen, daß die dichterische Phantasie der 
Zeit in der Lyrik gipfeln mußte. Diese Annahme wird nun 
auch durch die Beobachtung bestätigt; auf keinem Gebiete hat 
die Dichtung der Frühromantik dauerndere Werte geschaffen 
wie auf dem lyrischen. Aber freilich bleibt auch hier die 
Grundlage des Empfindens die selbe, mystische. 
Das Ziel des Strebens ist ein mystisch Bild 
Von sinnlich-geist'ger Harmonie gestellt. 
Die Sehnsucht wird durch Sehnen noch gestillt: 
Als Ort des Sehnens lieben wir die Welt. 
So auch mit Sehnsuchtsdüften überhüllt 
Die neue Kunst dem Menschen wohlgefällt. 
Hellenisch Leben, du bist uns verloren, 
Drum haben das romantische wir erkoren. 
Es sind etwas ungefüge Verse Mniochs; sie sollen aber 
hier gleichwohl angeführt sein, weil sie mehr als tausend andere 
in die seelischen Voraussetzungen der frühromantischen Lyrik 
einführen. Da lernen wir sie kennen, die Mystik in ihrem 
ewig unerfüllten Suchen nach Ineinssetzung mit den Dingen 
in realistisch-idealistischer Ausgleichung: in jener Sehnsucht, 
der Sehnsucht schließlich selbst Gehalt und damit Selbst— 
zweck wird. 
Die Welt ist eine Lilie, eine blaue, 
Ein Inbegriff geheimnisvoller Dinge .... 
An dieser Lilie weitem Wunderbaue 
Hängt schwebend mit der sehnsuchtmüden Schwinge 
Des Menschen Geist, gleich einem Schmetterlinge, 
Und lechzet durstig nach des Kelches Taue. 
(Rückert.) 
Freilich: läßt sich dieser Zustand mystischen Sehnens, auf 
die Dauer ein unerträgliches Dasein nervöser Spannung,
	        
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