Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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und motivierte Liederlyrik, angeregt und auf eine höhere Stufe 
gehoben: es entstand etwas, das man am besten, da in ihm 
die frühromantische Strömung als in einem halbfremden 
Körper nur reflektierte, als objektive Romantik bezeichnen kann; 
und wir werden sehen, wie diese Strömung immer und immer 
stärker verlief, indem sie sich zusehends mit gegenständlicherem 
Leben füllte: bis aus ihr die Poesie vor allem schon der 
Spätromantik, darauf aber auch zum Teil noch des Realismus 
hervorbrach. Aber daneben stand nun doch, auch sie noch zu— 
nächst beherrschend, die eigentliche, die hohe Lyrik der Früh— 
romantik. Sie war symbolisch, mystisch; ganz brachte sie den 
neuen seelischen Gehalt des extremen Subjektivismus zum 
Ausdruck. Und so darf man denn sagen, daß sich der mystische 
Kern des frühromantischen Seelenlebens nächst der spekulativen 
Philosophie am unbedingtesten eben doch in dieser höchst eigen— 
artigen Lyrik ausgewirkt hat. 
Ist nun unter diesen Umstäuden zu erwarten, daß 
die bildende Kunst der Zeit, dieser noch viel anschaulichere 
Kreis menschlicher Phantasietätigkeit, analoge Grenzen erfüllt 
habe oder gar über sie hinaus gelangt sei? Konnten denn 
etwa Bildnerei und Baukunst den hier auftretenden innersten 
Tendenzen irgendwie gerecht werden? Die Plastik — schon 
das Wort besagt in diesem Zusammenhange alles — versagte 
natürlich ganz; sogar die objektive Romantik hat späterhin 
kaum eine originale Bildnerei entwickelt. In der Architektur 
aber hätte sich wohl in der Form mystisch-mathematischer Raum— 
und Verhältnisspielereien ein Äquivalent für den spekulativen 
Mystizismus finden lassen. Allein diese Art der Verobjektivierung 
ist einer Zeit hochentwickelter Naturwissenschaften nicht mehr 
zugänglich und, wo sie als voll entfaltete Erscheinung vor— 
kommt, ein wohl ganz unbedingtes Kennzeichen junger Kulturen. 
So blieb die Malerei. Und sie allerdings noch am meisten 
konnte Veziehungen zu den inneren Strömungen der Früh— 
romantik entwickeln: steht sie doch von allen bildenden Kunsten 
der Dichtung, und insbesondere der Lyrik, am nächsten, und 
ist sie doch zudem auch noch aus kulturgeschichtlichen Gründen,
	        
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