Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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der Dissertation verband. Das spiegelt sich denn auch in der 
Komposition wider: sie ist zu gedrungen, sie erscheint ge⸗ 
zwungen, gemacht. Denn wie sollte es schließlich möglich sein, 
nicht etwa noch anschauliche Ideen, nein ganze abstrakte Be— 
griffssystenme und Ideenkreise zu malen? Cornelius' Kunst 
scheiterte an der gerade in seinem Kopfe bis zu durchsichtigster 
Energie und Wirkungsfähigkeit entwickelten Auffassung, die 
Kunst sei eine Magd der Vorstellung, das Anschauliche ein 
Diener des Gedankens: die tiefste Antinomie der kunstgeschicht⸗ 
lichen Entwicklung des Zeitalters trat eben bei dieser höchsten 
und klarsten künstlerischen Kraft auch am deutlichsten zutage. 
Und wenigstens die jüngeren Zeitgenossen des Meisters 
vermißten bereits durchweg auch etwas anderes: die Farbe. 
Schon König Ludwig hatte vor dem Jüngsten Gericht das 
verhängnisvolle Wort ausgesprochen: „Er kann nicht malen.“ 
Und tausendmal ist es seitdem variiert worden. Feuerbach 
aber hat es noch mit einer anderen berechtigten Beobachtung 
verbunden!: „Ist das Cornelius, der große Cornelius? Bei 
näherer Betrachtung wird es immer schlimmer; man entdeckt 
immer mehr mangelhafte Stellen der Zeichnung, grobe Zeich— 
nungsfehler — von Kolorit keine Spur.“ 
Doch man werte Cornelius vor allem von seinem Stand⸗ 
punkte aus! Da bleibt seine Malerei trotz allem groß; es 
sind gewaltige Schöpfungen einer monumentalen Kunst des 
Umrisses: und alles ist auf dessen Rhythmus gestellt. Farbe 
vertrug diese Kunst eigentlich überhaupt nicht, denn farblos 
war sie empfunden. Fand eine nachträgliche Auffüllung mit 
ihr statt, so hatte diese nur einen wesentlich symbolischen Wert. 
Erhob man gleichwohl die Forderung nach Farbe und wurde 
die Farbe dann naturgemäß realistisch angewandt, so ergab 
sich bald, daß damit der Rahmen dieser Kunst gesprengt wurde. 
Es war gewiß auch ein Weg zum Realismus. Aber konnte 
auf ihm Großes erreicht werden? 
Diesen Weg ist Wilhelm Kaulbach (1905—74) gegangen. 
Vermächtniss, 30 -31. (0. 1848).
	        
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