Full text: Wirtschaft als Leben

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„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
— ein ganz begreifliches Vorurteil. Das noetische Denken aber steht 
uns vom Leben her viel zu nahe, um so ohne weiteres auch ihm ge 
recht zu werden und seiner vollblütig erfahrungswissenschaftlichen 
Natur. So bedarf es erst des ganzen Aufwandes dieser Betrachtungen, 
um auch diesem noetischen Denken sein gutes Recht zu wahren. Im 
ganzen aber ist dieses noetische Denken ein Stiefkind 
der Erkenntnistheorie geblieben, ähnlich wie das idio- 
graphische Denken ein Stiefkind der Logik. Nun kann 
man sich danach ungefähr ausmalen, welches theoretische Verständnis 
bisher jene Wissenschaften finden mußten, die noe tisch denken, 
und gerade deshalb auch in der Hauptsache idio- 
graphisch verfahren! So betrübend es ist, ebenso begreiflich 
erscheint es, daß man diese Wissenschaften, darunter auch unsere, nur 
soweit als Wissenschaften gelten ließ, wie sie die glücklichere Schwester, 
die Naturwissenschaft, zu kopieren suchten. Das aber war, ist und wird 
niemals anders möglich sein als in grober Versündigung an ihrer 
eigenen Natur! 
Blicken wir zurück, so war es nur eine Annäherung daran, von 
der phänomenologischen Denkweise die noetische zu sondern, wenn 
wir das aller Anschauung gegenüber duldsame Denken in der Aussage 
A entgegensetzten dem aller Anschauung feindlichen Denken in den 
Aussagen B und C; so auch, wenn wir in gleichem Bezug das 
synthetische und das analytische, das beziehend einsetzende und das 
unterscheidend einsetzende Denken kontrastierten. Dies alles ist 
sekundär gegenüber dem eigentlichen, grundsätzlichen Gegensatz dieser 
Denkweisen: in ihrem „Stoffe“. 
II. Der Stoff des noetischen Denkens. 
Das Dritte Geschehen. 
Alles begriffliche Denken über die Wirklichkeit ist notwendig ein 
einseitiges. Denn nur ihr Sinn und ihr Sein zusammen 
machen die ganze Wirklichkeit aus, wie sie Inhalt unseres Bewußt 
seins ist, als unser Erlebnis. Begriffliches Denken aber weiß sich 
dieser Wirklichkeit nicht anders zu bemächtigen als entweder 
ihrem Sein oder ihrem Sinne nach. Darauf, und zugleich auf die 
Freiheit der Wahl zwischen den beiden Denkweisen, zielt das Gleich 
nis von der „doppelten Stellungnahme“ unseres Denkens zur Wirklich 
keit: als ob diese etwas Körperliches wäre, das sich von zwei Seiten 
her, jedesmal also einseitig, beschauen läßt. Allein, welche sach-
	        
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