Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 625
sich rasch zu führender Stellung im Westen entwickelnden
spanischen Herrschaft und dadurch äußerer Machterweiterung im
16. Jahrhundert mißlangen: und das 17. Jahrhundert brachte
den vollen Ruin auf den Schlachtfeldern des Dreißigjährigen
Krieges. Was aber diesmal an die Stelle trat, war zunächst
wiederum eine Herrschaft des Westens: Spaniens, nachmals
Frankreichs, unter Berücksichtigung der europäischen Expansion
a die Gebiete der neuentdeckten oder zugänglich gemachten
Welten auch der Niederlande und Englands. Daneben aber
vderwickelte und vervollständigte sich in dieser dritten Periode
das Bild der politischen Entwicklung durch den volleren Ein⸗
tritt der östlichen europäischen Welt. Schon im Niedergange
des Deutschen Reiches im 14. und 15. Jahrhundert wurde es
fühlbar, daß Litauen, Polen, Ungarn wie auch Böhmen da⸗
mals Schauplätze kräftiger Reichsbildungen waren; sie alle über⸗
ragte dann seit dem 17. Jahrhundert beginnend und zweifellos
dominierend seit dem 18. Jahrhundert Rußland. Dabei stellten
sich Verbindungen des herrschenden Westens und des auf—⸗
vmnmenden Ostens her, wie sie namentlich den französisch⸗
türkischen und den französisch-russischen, dazwischen auch vor⸗
übergehend den franzosisch-schwedischen Beziehungen ein be⸗
sonderes Relief gaben: Beziehungen, die das Europa der Mitte,
das Deutsche Reich, fast schon neben ihm selbständig Hsterreich
ind an dritter Stelle Italien immer mehr in den politischen
Hintergrund drängten; Beziehungen, als deren charakteristischer
Abschluß der Siebenjährige Krieg und die napoleonischen Zeiten
noch in frischer Erinnerung sind.
Demgegenüber bezeichnen nun die europäischen politischen
Ereignisse des 19. Jahrhunderts den Anfang einer neuen, vierten
Periode. Von neuem beginnt sich das Zentrum des Erdteils
politisch zu heben. Und es sind die tiefsten Entwicklungs⸗
endenzen der Zeit, die dieser Hebung zugrunde liegen: das
neue Wirtschaftsleben der Unternehmung mit seinen sozial⸗
geschichtlichen Konsequenzen und dem Bedürfnis nach geo—
graphisch größeren Staatsgebilden, der vordringende Sub⸗
Aktipismus mit dem politischen Exponent der Einheitsidee, der