Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 649 
Einrichtung, dreißig Ordensgenerale saßen, kamen hundert⸗ 
neunzehn Bischöfe in partibus infidelium und Missionsbischöfe, 
die in Rom lebten, ferner zweihundertsechsundsiebzig italienische 
Stimmen; auf Deutschland entfielen 14 — vierzehn — Stimmen. 
War bei dieser Zusammensetzung das Ergebnis der Ab⸗ 
stimmungen von vornherein wenig zweifelhaft, so hatten weitere 
Einrichtungen eine möglichst durchschlagende Verhinderung auch 
jeder etwa auftretenden Opposition zur Folge. Vor allem galt 
das von der Geschäftsordnung; ferner von der Verteilung und 
Veröffentlichung des Diskussionsstoffes, der immer nur in kleinen 
Dosen zur Kenntnis der Versammlung gebracht wurde, endlich 
sogar von dem Lokale, einem abgesperrten Teile der Peters⸗ 
kirche, der akustisch die größten Mängel aufwies. 
Gleichwohl erhob sich eine Opposition, die bald aus den 
Bischöfen der größten und zivilisiertesten Diözesen bestand. In 
ihr fanden sich so glaubenseifrige Männer zusammen, wie der 
Bischof Dupanloup von Orlsans und der bald darauf als 
Märtyrer der Kommunards gefallene Erzbischof Darboy von 
Paris sowie unter den Italienern Pecci; aus Deutschland ge⸗ 
hörten zu ihr die Erzbischöfe Rauscher von Wien, der einfluß⸗ 
reiche Lehrer des Kaisers Franz Joseph, Schwarzenberg aus 
Prag und Scherr von München, die Bischöfe Hefele von Rotten⸗ 
burg, von Ketteler von Mainz, Melchers von Köln und Förster 
von Breslau. Entschiedene Anhänger der Unfehlbarkeit waren 
aus Deutschland anfangs nur die Bischöfe Martin von Vader—⸗ 
born und Senestrey von Regensburg. 
Diese Opposition protestierte zunächst gegen die Geschäfts⸗ 
ordnung. Und als, in der Form eines Antrages aus dem 
Konzil, die Unfehlbarkeitsfrage aufgeworfen wurde, und sofort 
in der papal-jesuitischen Presse mit einer Energie erörtert 
wurde, die jeden Widerstand niederzuschlagen bestimmt war, 
fand fie noch den Mut, den Papst dringend zu bitten, auf 
den Antrag nicht einzugehen. Ja der Bischof Ketteler von 
Mainz beschwor schließlich in einer Audienz am 15. Juli 1870 
den Papst dreimal fußfällig, die Kirche nicht in unabsehbare 
Gefahren zu stürzen. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 2.
	        
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