Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

706 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes RKapitel. 
Wesen zu umfangen vermag, um es schließlich ganz zu durch— 
gären und dadurch fundamentalen Änderungen entgegenzuführen. 
Nicht die politische Geschichte, sondern die Kulturgeschichte ist 
darum die Basis jedes geschichtlich tieferen Verständnisses; und 
während der Kulturhistoriker zum Eindringen in die ihm nächst— 
liegenden geschichtlichen Vorgänge des politischen Historikers zur 
Not entbehren kann, ist der politische Historiker für jede wirkliche 
„Penetration“ seines Stoffes an den Kulturhistoriker gebunden. 
Es sind allgemeine Wahrheiten, die den Verlauf der ersten 
Periode des deutschen Subjektivismus, auch soweit die politische 
Geschichte in Betracht kommt, einfach genug erscheinen lassen. 
Der tiefsten und frühesten Entfaltung des Neuen auf dem Ge— 
biete des Gemütslebens, der Phantasie, des Verstandes ist die 
Umwälzung im Bereiche der verwickelteren Erscheinungen des 
Willenslebens erst gefolgt; und auch hier hat sie zunächst nicht 
den Staat, das Ganze, oder auch nur das Teilganze, die Gesell—⸗ 
schaft, sondern die Einzelperson ergriffen: die Pädagogik Pesta— 
lozzis, die Erziehungslehre Schillers, Fichtes Reden an die 
Deutsche Nation, auch nur ein grandioses Erziehungsprogramm, 
waren erste Erscheinungen einer nach außen, nach Menschen— 
zusammenhang, nach Offentlichkeit hin gewendeten jüngeren 
Entwicklungsrichtung der neuen Kultur. Und dann erst, zeitlich 
weit später, ganz ernsthaft erst seit den vierziger Jahren des 
19. Jahrhunderts sind wirkliche politische Bestrebungen gefolgt: 
kein Wunder daher, wenn sie den Abschluß, beinahe den Nach— 
trab der Periode bilden. 
Wenden wir aber von diesen letzten großen Erscheinungen 
und diesem Abendrot fast der Periode unseren Blick zurück auf 
deren glänzende Mitte und im ersten Morgentau funkelnde An— 
fänge, um noch einmal, am Schlusse einer Darstellung, die 
sich bei dem Reichtum des Inhaltes kaum kürzer fassen konnte, 
als geschehen, das Ganze des imposanten Aufstieges dieser ersten 
Gesamtperiode des Subjektivismus wahrzunehmen: so bedarf es 
für den Leser, der der Erzählung bis hierher gefolgt ist, doch 
nur weniger Worte. 
Wir wissen, wie sehr die Entwicklung des deutschen Sub⸗
	        
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