Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 439 
Grunde fatalen Lage: sie erklärten die Unabhängigkeit der 
Herzogtümer selbst dann für unmöglich, wenn der dänische König 
ihr Souverän werden sollte. Es war eine Antwort, wie sie die 
deutschen Mächte eben brauchten: die Antwort unverbesserlichen 
Starrsinns. 
Den deutschen Mächten blieb jetzt nichts übrig, als die 
volle Lostrennung der Herzogtümer von Dänemark zu fordern. 
Bismarck zog sofort diese Konsequenz; Hsterreich gegenüber 
sprach er sich ferner, in einer Depesche vom 21. Mai, dahin 
aus, der künftige Herrscher der Herzogtümer könne auch der 
Augustenburger sein, falls er die notwendigen nationalen und 
preußischen Garantien gäbe; doch betrachte Preußen die Frage 
der Thronfolge noch als offen, werde sie aber jedenfalls immer 
nur im Einverständnis mit sterreich zu lösen suchen. 
Diesen Plänen gegenüber wollte allerdings Osterreich der 
Konferenz den Herzog von Augustenburg sofort vorschlagen: 
daß dieser Deutschland und Preußen genehme Politik treiben 
müsse, verstehe sich von selbst. Das war nun aber nach 
preußischer Ansicht tatsächlich durchaus nicht der Fall. Viel⸗ 
mehr versuche der Herzog schon seit längerer Zeit in Holstein 
ganz eigenmächtig zu regieren; es sei daher schwerlich an— 
zunehmen, daß er sich zu einer strengen Militär- und Marine— 
konvention mit Preußen, zur Hergabe des Hafens von Kiel 
und anderen Forderungen, die Preußen stellen wolle, später be⸗ 
quemen werde. 
Preußen beharrte also auf der Forderung, der Herzog von 
Augustenburg dürfe erst genannt werden, nachdem er sich zu 
den angegebenen Zugeständnissen gegen Preußen verpflichtet 
habe; und es blieb erst recht auf diesem Standpunkt, nachdem 
persönliche Verhandlungen Bismarcks mit dem Herzog dessen 
Unzugänglichkeit ergeben hatten. 
Wahrend diese Differenzen zwischen Hsterreich und Preußen 
auftraten und in endlose Schwierigkeiten zu führen drohten, 
ergab der Fortgang der Londoner Konferenz noch einmal einen 
Ausweg. Dort wurde nämlich am 28. Mai eine weitere Dis— 
kussion selbst schon der Frage der Autonomie Schleswig—
	        
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