95. Titel; Unerlaubte Gandlungen. $ 839. 1703
Daß an -einen LändlihHen Gemeindebeamten nicht die
gleichen Anforderungen geftellt werden dürfen wie an einen befonders
vorgebildeten Berufsbeamten, betont mit Kecht Urt. d. Reichsaer. vom
17. Dezember 1907 echt 1908 S. 56 und vom 22. Oktober 1909
Nur. Wihr. 1909 S. 727 (Verftoß gegen 8 2234 Nr. 2 BOB, durch
einen Gemeindevorfteher ım alle großer Dringlichkeit). a
Die Vorichriften der SS 827, 828 über die D elittsfähigfkeit finden
auch auf die Haftung des Beamten aus S 839 Anwendung; Dagegen
iit 8 829 nach feinem Haren Wortlaut auf S$ 839 unanmendbar
(Borbem. 3 vor $ 827; and. Anf. Spahn, Berwandtichaft und Bor»
mundichaft S, 87). Ce
Bei mitmirkendem Berihulden des Beihädigten wird die
ns des Beamten nach Maßgabe des S 254 modifiziert, |. unten
em. 7, a, €
Ueber die Subfidiarität der Haftung des Beamten dei fahr-
(äifiger PflichtverleBung f. unten Bem. 7, b; über die beichränkte
Haftung des Sprudhrichter8 f. unten Bem, 6.
Neber die Bedeutung eines Befehls des Borgefeßten |. Urt.
5. Reichsger. vom 21. September 1908 Yur. Wichr. 1908 S, 654;
„Der Untergebene braucht eine gefeblich verbotene oder fittlich ver-
weriliche Handlung auf Befehl des Borgefeßten nicht auszuführen“.
2) Der dem Dritten entftandene Schaden muß Dur dh die Verlegung der Umts-
pflicht bewirkt worden fein (Erfordernis Des Kaufalzufammen-
hang8; vol. Bem. Il, D und IN, D zu & 828). Daher hat mit Kecht ein
Urt. d. DSG. Celle vom 9. April 1904 (Kecht 1904 S. 222) die Eriaß-
pilicht des Telearaphenbeamten verneint, weil der Adreffat der verftümmelt
angefommenen Depefche deren Unrichtigkeit hätte erkennen müfjen, der ein-
getretene Schaden daher ledigliH durch defjen Zahrläffigkeit verurjacht jet.
6. Privileg des „Spruchrigters“. Bon dem Grundfabe des S 839 Abi. 1
Sa 1 macht Mbf. 2 im Interefje der richterlihen Unabhängigkeit eine Ausnahme
ugunften des fog. „Spruchrichter$“, d.h. für den Hall, daß die PflichtverleBung Dei
dem Urteil in einer Nedht8{ache erfolat ift (gegen die Zwedmäßigkeit Diefer Be:
itimmung de lege ferenda Hofer a. a. D.), Die Haftung des Beamten tritt in diefent
Kalle nur dann ein, wenn die Pflihtverlebung mit einer im Wege des geridhtlihen
Strafvberfahren8 zu verhängenben öffentliden Strafe bedroht ift @. IL, 824,
36. IL, 48, . 11, 663, ©. 106; vyal. ZBO. S 580 Ubf. 1 Nr. 5, StPO. 85 399 Wr. 3, 404
Nr. 3; hinfichtlih des PLI. 1. NOES. Bd. 38 S. 338 ff.)
a) AB einfchlägige Strafvorfidh riften kommen wohl nur die SS 334 (Be»
tecßhung) und 336 AED des SiGB. in Betracht nicht au StGB,
& 339, wie Schneider a. a. U. S. 245 ff. und. Goldmann-Lilienthal S. 911
annehmen). Daß die Pflihtverlegung mit Di 83ziplinärer Aondung bedroht
iit, reicht zur Anwendbarkeit des S 839 Abi. 2 nicht aus; anderfeitS {ft nicht
Area daß ein Strafverfahren bereit eingeleitet ift (Rublenbec
ote 4).
Die Ein/hränkung der Haftung greift nad) dem Maren Wortlaute des Ge:
feße8 nur Plaß für die bei einem Urteile begangenen Vflichtverlekungen.
3 „Urteil“ bezeichnete der Antragjteller im Keichstage „Diejenigen
Ent{heidungen, durch welche das rozeßrechtsverhältnis für die Inftanz bes
endigt wird, aljo bei Straffachen die Endurteile, bei Zivilfadden au noch
die Bwijchenurteile und die Teilurteile“ (StB. 847). Cine ausdehnende
Auslegung diefes Der De Begriffs it nach Wortlaut und Ent-
ftehungsSgefhichte der Vorfehrift I. oben Ber. 2) ausgefl Oh loffen (ebenfo
öldeke a. a. D. S. 820 f., Band Bem. 6, ROGRKR.-Komm. Ben. 7, Kuhlenbdeck
Note 4 und 5, Lindelmann S. 103, Fifcher-Denle Note 8, Achilles Note 5,
Crome 8 329 Anm. 28, Iofef a. a. S, Schelhorn_a. a. DO. S. 618 ff, Urt.
d, DL®. Köln vom 8. Sanıar 1902 Kipr. d. OLG. Bd. 4 S. 286 ff.;
and. Un]. ohne überzeugende Begründung Delius, At S. 74 ff. und
in SD. Sur.38. 1904 S, 531 F., Gadhenburg S. 433 ff, Neumann Note I, 1,
Dernbura $ 392, IN, Kohler S. 507, Sholmeyer S. 221, (Endemann I 8 202
Anm. 5, Kraft a. a. O.). Mzulehnen Kind auch vermittelnde Anfchanungen
wie die von Schneider a. a. ©. S. 246 ff, wonach unter S 839 Ab]. 2 alle
rechtöfelttellenden Beicheide im Gegenfaße zu den das MNerfahren leitenden
Beicheiden und den VBerwaltungsverfigungen fallen follen (ebenfo ®oldmann-
Silienthal S. 910_ Anm. 22 und Dertmann Bem. 3, b, 8), oder die von
S Dyppenbof a. a. D., nach welchem mindelten3 die mit [ofortiger Befchwerde
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