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VII. Abjgnitt: Einzelne Schuldverhältniffe.
anfedhtbaren Entfcheidungen den Urteilen gleichftehen follen, vder die von
Brie a. a. D. (insbejondere S. 63 ff.), der die analoge Anwendung des S 839
Abf. 2 auf „Urteilsfurrogate“ (3. B. Strafbefehl) und die das Urteil materiell
vorbereitenden Enticheidungen des erfennenden Richters insbe]. Beweis:
EEE efiewuthei (dagegen mit Mecht Michaelis in D. Iur.3Z. 1906
Daß Privileg des & 839 Abi. 2 findet alfo zwar Anwendung auf
Ausfchlußurteile (3RO. S 952), nicht aber auf richterlidhe Enticheidungen,
welche Keine „Urteile“ find (vgl. ZPO. S 160 Abi. 2 dir. 5, eiD. $ 273
Abt. 1), 3. B. Beweisbefchlüfe, EEE BD ED Haftbefehle (ebenio
Urt. d. Meichsger. vom 6. Februar 1906 RGE. Bd. 62_E, 367 ff.; and. Ant.
Urt. d. Rammerger. vom 14. Juli 1905 Recht 1905 S. 473, fowie Daffis
in D. SJur.3. 1906 S, 1017 ff), Befdhlagnahmebejchlüfie, Bejchlüfte über
Eröffnung des Konkurfes, über Erteilung des Bufchlags, über Eröffnung
des Hauptverfahrens (Köhler, Recht 1408 S. 848) ıc. Der Richter, der
über einen Ärreitantrag zu entfcheiden hat, haftet daher nach S 839 Abi. 1,
wenn er durch Befchluß, dagegen nach S 839 Ubi. 2, wenn er auf ®rund
mündlicher Verhandlung durch Urteil entfcheidet vgl. ZPO. SS 921, 922).
Daß dieje Konfequenz wenig befriedigt, ft zugegeben, nach dem geltenden
Beleb aber nicht zu ändern (ebenfo ROR-Komm. Bem. 7). ,
Den eigentlichen Urteilen werden übrigens diejenigen Enticheidungen
aleidhzuftellen fein, weidhe zwar nicht „Urteil“ heißen, ihrem Wefen nach
aber Urteile [ind, wie die „Enticheidungen“ der Schiedagerichte gemöß
88 112 ff. des AnvalidenverficherungsgejebeS vom 13. Yuli 1499 (in der
Saflung der Wekanntmachung vom 19. Sult 1899).
| um „Urteil“ im Sinne des 8 839 Abi. 2 gehört aud der „Tat-
deftand (BO. S 313 Abf. 1 Nr. 3; eben]o Goldmann-Lilienthal S. 910;
and. Anf. Delius a. a. ©. S. 532, Neumann Note HM, 1; f. aber ROGES.
Bd. 38 S. 341).
Eine Pflichtverlegung „bei einem Urteile“ liegt auch vor, wenn das
Urteil auf ungenügender Prüfung feiner gefeblidhen Borausfiekungen
Deruht, menn alfo 3. B. ein Berläumnisurteil ohne genügende Prüfung der
Ragezuftellung erlaffen wird (ebenfo Schneider a. a. ©. S. 245 Ff., Nöldeke
a. a. ©. S. 821, Delius, Haftpflicht S. 73 F., Dertmann Bem. 3, b; and.
nf. Hachenburg S. 434; Dal. StB. 442 ff., 457).
Auch die Ausnahmevorfchrift des 8 839 Yo}. 2 gilt nur für „Beamte“
%. oben Bem. 4), findet aljo zwar Anwendung auf Beamte, welche, ohne
MKichter im engeren Sinne zu jein, Kechtsfachen zu enticheiden haben (Me. II,
824, RIK. 109), 3. W%. Mitglieder eines Berwaltungsgerichtshots, nicht aber
auf Richter, die nicht Beamte find, wie Schöffen, SGefchworene, Gewerbe-
aerichtsbeifiker 2c. (and. Anf, hinfichtlih der Schöffen, umd Sefchworenen
Delius, Haftpflicht S. 72 ff). Hieraus ergibt ih die feltfame Konfequenz,
daß wegen der gleichen auf Fahrläfligkeit beruhenden Bilichtverlegung unter
Umftänden der rechtsunkundige Beifiker, nicht aber der rechtsgelehrie Bors
Äßende haftbar gemacht werden kann. Freilich wird gegenüber dem erfteren
biele8 nicht al8 SabrLäifigfeit erfcheinen, waß gegenüber dem Berufsrichter
al8 folche zu erachten fein würde. |
Us Beamte im Sinne des S 839 Abi. 2 find gemäß GVBES. & 116
auch die HandelSridter zu erachten.
Hür den Schiedsrichter (3BRO. SS 1025 ff), dem die Beanteneigen-
jchaft fehlt, gilt das Mrivileg des $ 839 Wbi. 2 nicht Cebenfo Fifcher-Henle
Note 8, Crome 8 329 Anm. 11 und Urt. d. Reichsger. vom 8. Februar 1907
NOS. Bd. 65 S. 175 ff., da8 jedoch auS anderen Erwägungen zu dem
Schluffe gelangt, daß der Schiedsrichter nicht Fir Sabrläiigfeit halte
"val. Diem Schneider in D. Jur.3. 1908 S. 217 ff. und DVertmann Bem. 2, a];
f. au RGE. Bd. 41 S. 251). .
Auch auf RNidhter der freimilligen Gerigt8barfkeit ijt S 839
Mo]. 2 nicht anwendbar, da bei ihrer Tätigkeit „Urteile“ nicht in Hrage
fommen (and. Auf. Schneider a. a. DO. S. 249 Anm. 20, Neumann Note I, 2);
dies gilt insbejfondere auch für den Grundbuchrichter (ebenfo Delius
in D. Yur.3. 1904 S. 531, Bretiner a. a. O.; and. Anf. Derndurg, Sachen-
recht, 3, Aufl. S 35, Il, 3)
Das Privileg des 8 839 Ab]. 2 greift nur Bag, foweit die Haftung des
Beamten aus 8 839 Ubi. 1 in Sage fommt, nicht dagegen, wenn feine
Baltung auf Orund andermweitiger Gefebesbefltimmungen G. DB.
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