Bildende Kunst.
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bloß vom Standpunkt der Phantasiethätigkeit, sondern als
psychisches Ganzes überhaupt zu betrachten.
Und da ergiebt sich denn folgendes. Die drei Jahrhunderte
von etwa 1450 bis 1750 bringen bekanntlich die Lösung von
der mittelalterlichen „Gebundenheit“; ihr erstes ganz hervor—⸗
stechendes Ereignis ist in Deutschland die Reformation: die
Befreiung des mittelalterlichen Menschen von jeder fremden Ver⸗
mittlung seiner religiösen Beziehungen zum Absoluten, seien
sie auch durch die Einrichtungen einer vielleicht noch so treff⸗
lichen Kirche gewährleistet, ferner die Gotteskindschaft des Ein—
zelnen, d. h. die Möglichkeit des Einzelnen, daß er — nur
die eine Schranke bleibt: innerhalb der Grenzen der evangelischen
Botschaft — fromm werde auf eigenem Wege. Indem aber
diese Jahrhunderte den Einzelnen befreien, vereinzeln sie ihn
zugleich: nie, weder früher noch später, ist der Einzelne so sehr
auch isoliert, ein für sich stehender Mikrokosmos, menschlich
also gesellschaftslos gewesen und gedacht worden. Das Natur—
recht, dem die Staatslehre dieser Zeit entwuchs, gipfelte in
der Auffassung, daß der Staat eine mechanische Summation
von Individuen sei, die eines Tages aus freien Stücken zu—
sammengetreten seien, um unter freiwilligem Aufgeben des
ihnen angeborenen Rechtes absoluter Freiheit eben ihn, den
Staat, sei es als Demokratie, sei es als Monarchie, zu be—
gründen; und das abschließende philosophische System dieses
Zeitalters, das Leibnizens, stellte sich die Welt als System von
Kräften vor, deren jede, sehr bezeichnend Monade genannt,
gänzlich unabhängig von der anderen dastehe und mit der
anderen nur dadurch in Verbindung sei, daß sie, je nach der
Feinheit der Durchbildung, ein ebenso richtiges, mehr oder
minder umfassendes Bild der Welt in sich widerspiegele, wie
die anderen. Das sind charakteristische Kennzeichen einer Zeit,
deren innerstes Wesen man schon verhältnismäßig früh erkannt
hat, indem man es als individualistisch bezeichnete.
Wie ordnet sich nun diesem Zeitcharakter der besondere
Charakter der Phantasiethätigkeit, in unserem speziellen Falle
wieder der der Malerei, ein? Einfach genug. Das, was in