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Bildende Lunst.
ein Ornament, und nur ein Ornament, heraus. Wie ist diese
Thatsache nun erklärlich, die überlieferungsmäßig ganz feststeht
und sich in den niederen Kulturstufen anderer Völker ständig
wiederholt? Einfach durch den Umstand, daß das künstlerische
Bild nicht nach der Natur aufgenommen wurde, sondern viel⸗
mehr an der Hand der gedächtnismäßig zurückgebliebenen Vor—⸗
stellungen des einst Erschauten: der Germane sah im allgemeinen
nicht intensiver als so, daß er von dem Gegenstand ein orna—
mentales Bild behielt; und dies fixierte er nachher, wenn seine
Phantasie ihn zum Schaffen anregte.
Man mache die Probe, ob man denn selbst — wenn nicht
Künstler — heute schon Gesehenes im allgemeinen um so vieles
schärfer behalte; man beobachte die Kinder, die, wenn sie
zeichnen, nach der Darstellungsweise der niederen Kulturstufen
verfahren.
Also: von dem Inhalt des Bildes auf der Netzhaut, das
die volle Welt der Erscheinungen wiedergiebt, wurde nur ein
geringer Bruchteil in die Vorstellung gehoben, zu anschaulicher
Vorstellung umgeformt, und dieser Teil war Grundlage der
Kunstübung.
Nun versteht sich ohne weiteres der Entwicklungsgang der
deutschen Malerei und bildenden Kunst überhaupt — wie auch
der ganz analoge Entwicklungsgang der Kunst anderer Völker:
aus dem physiologischen Bild wird immer mehr in die ge⸗
dächtnismäßig klare Anschauung gehoben, die Annäherung der
Kunst an die Erscheinung der Dinge nimmt zu, die Kunst
wird immer naturalistischer. In welchen Entwicklungsstufen
das geschieht, wissen wir. Fügen wir nur noch hinzu, daß das
Eintreten der höheren Stufen durch eine immer stärkere Inten—
sität des Lebens, durch den Übergang schließlich zum Schaffen
nach dem Modell vermittelt werden mußte, und daß diese Ver—
mittlung nur möglich war, wenn Künstler zu sein ein be—
sonderer Beruf ward: die wirtschaftliche Arbeitsteilung, die
Möglichkeit einer sozialen Schichtung, in der viele materiell
produzieren, um anderen die Möglichkeit zu geben, rein dem
Schauen zugewandt intensiver zu sehen und hieraus genauer