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Bildende KUunst.
schließlich die Butzenscheibenlyrik großzog. Wie hätte er nicht
auch die Malerei und alle anderen Künste am Alten festhalten
sollen, stofflich und technisch? Man malte Bilder, die alte
Geschichten darstellten, Staatsaktionen und zuständlich Kleines,
und man malte sie im alten Stile.—
War das aber ein Zustand von der Gewähr längerer
Dauer? Wie die gläubige Bewunderung der Vergangenheit
immer mehr zu deren Verständnis führte und ein Verständnis
zum Vergleich mit der Gegenwart, und wie dieser Vergleich dann
den unumstößlichen Entschluß zeitigen mußte, wie alle Ge—
schlechter vordem vornehmlich der Gegenwart zu leben: — so
erschöpfte man schließlich auch den Lehrgang der über alles ge—
liebten und bewunderten Alten, sah sich mit Einem vor den
Thoren der Schule und mußte sich entschließen, auf eigene Faust
zu leben. Man war reif zu Neuem: die Kunst sagte dem 17.
und 18. Jahrhundert Ade, wie vorher dem 14. bis 16. Jahr—⸗
hundert; sie ward eine Kunst der Gegenwart und verwarf mit
den Lehrern der Vergangenheit zugleich den Historismus und in
ihm die Wissenschaft, deren Ausdruck er war: ihre eigene
Leiterin wollte sie fortan sein auf unbekannten Pfaden, und
indem sie den Mut hierzu gewann, ward sie in der That Füh—
rerin in ein neues seelisches Leben überhaupt und auf ihrem
engeren Gebiete Führerin hin zur modernen Phantasiethätigkeit
des Impressionismus.