Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende KUunst. 
schließlich die Butzenscheibenlyrik großzog. Wie hätte er nicht 
auch die Malerei und alle anderen Künste am Alten festhalten 
sollen, stofflich und technisch? Man malte Bilder, die alte 
Geschichten darstellten, Staatsaktionen und zuständlich Kleines, 
und man malte sie im alten Stile.— 
War das aber ein Zustand von der Gewähr längerer 
Dauer? Wie die gläubige Bewunderung der Vergangenheit 
immer mehr zu deren Verständnis führte und ein Verständnis 
zum Vergleich mit der Gegenwart, und wie dieser Vergleich dann 
den unumstößlichen Entschluß zeitigen mußte, wie alle Ge— 
schlechter vordem vornehmlich der Gegenwart zu leben: — so 
erschöpfte man schließlich auch den Lehrgang der über alles ge— 
liebten und bewunderten Alten, sah sich mit Einem vor den 
Thoren der Schule und mußte sich entschließen, auf eigene Faust 
zu leben. Man war reif zu Neuem: die Kunst sagte dem 17. 
und 18. Jahrhundert Ade, wie vorher dem 14. bis 16. Jahr—⸗ 
hundert; sie ward eine Kunst der Gegenwart und verwarf mit 
den Lehrern der Vergangenheit zugleich den Historismus und in 
ihm die Wissenschaft, deren Ausdruck er war: ihre eigene 
Leiterin wollte sie fortan sein auf unbekannten Pfaden, und 
indem sie den Mut hierzu gewann, ward sie in der That Füh— 
rerin in ein neues seelisches Leben überhaupt und auf ihrem 
engeren Gebiete Führerin hin zur modernen Phantasiethätigkeit 
des Impressionismus.
	        
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