Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

III. 
1. Hat darum die deutsche Kunst, insbesondere die Malerei, 
den Weg zum Impressionismus allein zurückgelegt, ohne Hilfe 
der Kunst anderer Völker? Keineswegs. Ihr größter Pfad— 
finder nach diesem Ziele, Menzel, hat so gut wie keine Schüler 
gehabt. Noch einmal machte sich hier geltend, daß der furcht— 
bare Verfall seit dem 16. Jahrhundert uns grade erst im 
18. Jahrhundert recht künstlerisch abhängig gemacht hatte von 
den Franzosen, und daß uns die hellenische Renaissance in 
unserer Armut und Hilflosigkeit ganz anders entscheidend als 
anderen Völkern eine Wiederholung jener Stufen der Kunst 
aufgedrungen hatte, die entwicklungsgeschichtlich eigentlich schon 
überwunden waren. Das gab anderen Völkern einen Vorsprung, 
den sie inzwischen genutzt hatten. Spätestens in den Zeiten 
unseres großen Historienbildes und unseres geschichtlichen 
Sittenbildes entwickelten sie schon so kräftige Triebe des Im— 
pressionismus, daß wir ihnen nicht nachkamen, daß wir viel— 
mehr nach dem großen Kriege von 1870,71 namentlich von den 
Franzosen aufzunehmen hatten, was wir selbst nicht in aller 
Eile hätten nachholen können, selbst wenn die geistige Dispo— 
sition dazu vorhanden gewesen wäre, — victi victoribus leges 
—X 
Aber freilich: unvorbereitet traf uns das rasche Eindringen 
des malerischen Impressionismus in den siebziger Jahren nicht 
— sonst hätte er auch nicht so rasch siegen können —: viel— 
mehr gab es auch in unserer Kultur tausend Anfänge schon 
und Vorahnungen und Vorschöpfungen des Kommenden. Sie
	        
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