Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
hafte, prickelnde Diaz; da präsentieren sich, schon weiter fort— 
geschritten in der neuen Technik, der Tiermaler Troyon (1810 
bis 1865), der kurz vor seinem frühen Tode in seinen Boufs 
se rendant au labour die urwüchsigste Kraft verriet, und 
vor allem Daubigny (1817-1878), eine träumerische, musi— 
kalische Seele, derjenige Meister der Schule, der in seinen 
späteren Bildern alle Fortschritte der neuen Kunst mitmachte 
und die Zeit der alten Revolutionäre der dreißiger und vierziger 
Jahre mit jener der jüngeren der sechziger und siebziger verbindet. 
War nun mit der Kunst von Fontainebleau schon der 
volle Impressionismus, die Darstellung der Erscheinungen als 
Summen von farbigen Lichteindrücken, erreicht? Keineswegs. 
Nur ein Schritt auf dem Wege dahin war gethan. Die 
Meister dieser Kunst sind fast alle gute Zeichner gewesen, und 
grade derjenige von ihnen, der dem vollen Impressionismus 
am nächsten steht, Corot, hat mit dem liebevollsten Eingehen 
auf jedes Detail gezeichnet. So halten sie im Grunde an 
dem zeichnerischen Gerüst des Bildes fest. Aber fest verwachsen 
mit der Landschaft, deren Reize sie wiedergeben, Kenner all 
ihrer Heimlichkeiten im Duft und Atem gleichsam der Erde, 
beleben sie dies Gerüst, umkleiden es mit den blühenden 
Einzelheiten des Eindrucks der Gegenstände und auch dem 
Flaum schon der Eindrücke der Luft und des Lichtes. Sie 
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aber ihr Gedächtnis war scharf und ihr Empfinden konzentriert 
genug, um aus dem Erschauten mehr festzuhalten, als die Vor— 
gänger vermocht hatten. Und zu dem Festgehaltenen gehörten 
auch schon die feinen atmosphärischen Werte, das „Ambiente“ der 
Dinge; es ist kein Zufall, wenn diese Meister gern zu dem die 
Dinge leis umrandenden Pastellstift griffen an Stelle des Pinsels. 
Man fuhlt, daß hier die Vorbedingungen für eine große 
idealistische Kunst gegeben waren. Und ihr Meister kam in 
Millet (1814-51874), dem armen Bauernburschen aus der 
Normandie, dem grüblerischen Philosophen, der so gern die 
Griechen las und von ihnen vor allem den Theokrit, dem so 
lange darbenden kleinen Einwohner von Barbizon. Er war
	        
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