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eben noch auf diesem beruht; es ist eigentlich eine Kunst der
Zeichnung, die dem modernen, auf Farbeneindrücke gerichteten
Auge nur die nötigen Zugeständnisse scheinbarer nebelhafter
Auflösung macht; entwicklungsgeschichtlich steht sie auf dem
Niveau der Anfänge von Fontainebleau, ist also eigentlich eine
zurückgebliebene Erscheinung. Denn im Grunde ist hier die
Schwierigkeit, farbige Lichteindrücke in den feinsten Abschattie—
rungen wiederzugeben, nicht gelöst, sondern vielmehr — nach
heutiger Auffassung — umgangen.
Eine zweite Richtung, die der eigentlich entwicklungs—
geschichtlichen Kunst, geht darauf aus, die Errungenschaften
des psychologischen Impressionismus zu bergen und auszubauen.
Es handelt sich da um zweierlei: darum, reinere, feinere, zarter
gegeneinander abschattierte Farbeneindrücke in sich aufzunehmen,
also noch besser sehen zu lernen, und darum, das feiner Ge—
sehene nun auch im Bilde wiederzugeben und anderen zu ver—
mitteln. Auf dem ersten Gebiete ist natürlich die intensive,
rasch aufnehmende und den Augenblickseindruck zäh festhaltende
Beobachtung das wichtigste Geschäft und zunächst das einzige
Mittel, um weiter zu gelangen; in unendlich verschärftem
Maße ist es gerade in Frankreich angewandt worden. Aber
daneben hatte in Deutschland schon Goethe das Studium der
Optik empfohlen, und in England hatte Ruskin bereits in den
bierziger Jahren ebenfalls die Wissenschaft als Hilfsmittel der
Malkunst herangezogen. Das ist denn auch in Frankreich, und
wiederum hier wohl in besonders hohem Grade, geschehen;
nach Anleitung der feinsten Erfahrungen und Beobachtungen
der Optik hat man zu sehen gelernt und namentlich im Reiche
der Widerscheine wahre Entdeckungen gemacht. Wie aber das Be⸗
obachtete farbentechnisch verwenden und wiedergeben? Da zeigte
sich bald, daß die bloße Mischung der Farben den feinen Ab—⸗
stufungen der Farbeneindrücke auch nicht entfernt mehr gerecht
wurde. Dagegen lag schon die alte Malererfahrung vor, daß sich
der Eindruck feinster Nuancen durch Nebeneinanderstellung gewisser
Farbentöne erreichen lasse, wenn man das Bild aus gewisser
Entfernung betrachtet. Diese Praxis mußte jetzt systematisch
Lamprecht, Deutsche Geschichte. Erster Ergänzungsband. 8