Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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zwischen alt und neu. Denn Frankreich ist im Grunde wie 
in seinem sozialen Leben so in seiner Kunst konservativ. Daß 
innerhalb dieser vermittelnden Strömung die verschiedensten 
Mischungen von alt und neu denkbar sind, das giebt heute 
der französischen Kunst einen guten Teil ihres Charakters. 
Und was für Kombinationen kommen da nicht auch wirklich 
vor! Der jüngere Dubufe z. B. malt ganz in den Farben der 
modernen Kunst, des stärksten psychologischen Impressionismus, 
verbindet aber damit die lineare und umrißfeste Formgebung der 
Alten: die Wirkung ist, selbst bei Bildnissen, eine rein dekorative. 
Und doch darf man vielleicht die Stärke dieser Versuche, Altes 
und Neues zu amalgamieren, nicht unterschätzen: denn wo wäre je 
Dauerhaftes anders als aus der Verbindung von Vergangenheit 
und Gegenwart, von Bestand und Fortschritt geschaffen worden? 
2. In Deutschland liegen die Anfänge der neuen Kunst 
nicht so früh wie in England, und ihre Entwicklung geht nicht 
so klar und gleichsam systematisch vor sich, wie in Frankreich. 
Ist doch Frankreich das Land der folgerichtigsten Geschichte 
schon darum, weil diese sich zum großen Teil in Paris, also 
unter der Einheit des Ortes, und in einer Großstadt, und das 
heißt unter Ziehung auch der äußersten Folgen jeder jeweils 
herrschenden Entwicklungsrichtung abspielt. 
Wir wissen, wie sich in deutschen Landen hier und dort 
unter der zunächst alles beherrschenden oberen Strömung des 
Wiederholungskurses schon in den Zeiten des Klassizismus und 
der Romantik stille, der Wirklichkeit zugewandte Unterströmungen 
bildeten: dahin gehört die Vedutenmalerei schon seit Beginn des 
19. Jahrhunderts, die Militärmalerei nach 18183, die Malerei der 
Jagdstücke, die Bildniskunst u. a. m. Und diese dünnen realistischen, 
farbenfroheren Unterströmungen schwollen immer mehr an, ihre 
Tendenz begann in der Schadowschen Schule (1826f.) schon 
die obere Strömung zu treffen, und in dem Fortgang dieser 
Schule, in der Person des leider so früh vollendeten Rethel, 
im Laufe der vierziger Jahre trat gradezu eine Vermischung ein. 
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