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Bildende Kunst.
Es war dasselbe Jahrzehnt, in dem die Unterströmungen
auch sonst, und mehrfach schon beinah außer Berührung mit
der Oberströmung, das Interesse einer weiteren öffentlichkeit
zu gewinnen wußten. Dem großen Publikum traten sie in
der Lithographie und im Holzschnitt nahe: es ist die Zeit der
Begründung unserer ersten illustrierten periodischen Blätter,
des Entstehens unserer frühesten öffentlichen Karikatur, die
Zeit, auf deren gesundem Boden später die Busch und die Ober⸗
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Die wichtigsten Fortschritte aber wurden doch im stillen ge—
macht, und zwar, ähnlich wie um einige Jahrzehnte früher
in England und in Frankreich, auf dem Gebiete der Land⸗
schaftsmalerei. Und der Kreis wiederum innerhalb dieses
engeren Gebietes, auf dem man vorwärts drang, war der der
Malerei landschaftlicher Stimmungen.
Stimmungsmalerei kann objektiv und subjektiv getrieben
werden; es kann sich darum handeln, daß der Künstler der
Landschaft eine persönliche Stimmung einverleibt, oder aber
daß er die in der Landschaft selbst gegebene Stimmung aus
ihr herausholt. Natürlich aber giebt es zwischen diesen Gegen—
sätzen eine Masse von Übergängen. Die klassizistische und
romantische Ideallandschaft war sehr häufig und im Grunde
immer subhjektiv stimmungsvoll gewesen: welche starken Accente
des persönlichen Pathos sprechen z. B. aus Rottmanns
Marathonbild! Jetzt dagegen handelte es sich darum, objektive
Stimmungen wiederzugeben, was dann unmittelbar in die
atmosphärische Seite der Landschaft, in Licht und Luft hinüber—
führte: denn eben in diesen sind vornehmlich die Elemente
objektiver Stimmungsbildung beschlossen.
Wie sehr häufig bei dem Versuche, neue Seiten der Wirk—
lichkeit der Darstellung zu erobern, suchte die Kunst auch dies—
mal vor allem die Stellen auf, welche die Lösung der Aufgabe
erleichterten, also die Landschaften starker Stimmung: es waren,
da man das Meer noch kaum gewonnen hatte und an die
früheren Versuche der Kopenhagener nicht anknüpfte, die Land⸗
schaften der Mosel und des Mittelrheins mit ihrem starken