Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
in seinen Reisen um die Welt unter dem Einfluß nicht bloß 
starken, sondern auch sehr verschiedenartigen Lichtes. Was Wunder, 
wenn sich besonders ihm, dem Kosmopoliten, die Geheimnisse 
dieses Lichtes aufdrängten? Daheim aber machte man ihm 
zum Vorwurf, er erstrebe phantastische Eindrücke und die Gegen⸗ 
stände wären ihm bis zu dem Grade nur Unterlage zur Dar—⸗ 
stellung von Lichtwirkungen, daß darüber Form und Kompo— 
sition verloren gehe. Es sind Vorwürfe, die den ungewollten 
Beweis erbringen, daß Hildebrandt unmittelbar an der Schwelle 
zum psychologischen Impressionismus stand. 
Aber all diese verheißungsvollen Ansätze führten nicht zu 
einer grundsätzlichen und durchschlagenden Wendung. Es war 
ihr Schicksal, daß sie, entsprechend der Zerstreuung der deutschen 
Kultur, vereinzelt blieben; es fehlte die gegenseitige Anregung 
und der aus ihr hervorgehende Trieb auf einen allgemeinen 
Fortschrit. Zudem: wie übermächtig war in den Tagen 
dieser Malerei der Historismus, und das hieß die Figuren— 
malerei: — vor allem gerade in München und Düsseldorf 
feierte sie, dort im Historienbild, hier im Sittenstück, in den 
fünfziger und sechziger Jahren ihre größten Triumphe. 
Aber auch der Übergang zu einem physiologischen Im— 
pressionismus des Figurenbildes schlug nicht durch; denn im 
Grunde wurde er nur durch zwei große, aber vereinzelt bleibende 
Meister vertreten, durch den sterreicher Pettenkofen und vor 
allem den Preußen Menzel. 
Von der Lithographie ausgehend, die sein Vater und auch 
er anfangs berufsmäßig betrieben, zeigt Menzel (geb. 1815) schon 
in seinen ersten Olbildern gegen Ende der dreißiger Jahre eine 
damals fast allein dastehende Wahrheit in der Beobachtung des 
Farbigen und in seinen Zeichnungen zur Zeit Friedrichs des 
Großen (von 1840) einen malerischen Zug, der eine bis dahin 
unbekannte Tonfeinheit der Holzschneidekunst hervorrief. Im 
nächsten Jahrzehnt, deutlich seit 1830 („Tafelrunde Friedrichs 
des Großen“), beginnen dann weitere Entdeckungen Menzels auf 
dem Gebiete der Malerei. Sie laufen etwa parallel den im— 
pressionistischen Anfängen der Prärafaeliten und haben mit
	        
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