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Bildende Kunst.
in seinen Reisen um die Welt unter dem Einfluß nicht bloß
starken, sondern auch sehr verschiedenartigen Lichtes. Was Wunder,
wenn sich besonders ihm, dem Kosmopoliten, die Geheimnisse
dieses Lichtes aufdrängten? Daheim aber machte man ihm
zum Vorwurf, er erstrebe phantastische Eindrücke und die Gegen⸗
stände wären ihm bis zu dem Grade nur Unterlage zur Dar—⸗
stellung von Lichtwirkungen, daß darüber Form und Kompo—
sition verloren gehe. Es sind Vorwürfe, die den ungewollten
Beweis erbringen, daß Hildebrandt unmittelbar an der Schwelle
zum psychologischen Impressionismus stand.
Aber all diese verheißungsvollen Ansätze führten nicht zu
einer grundsätzlichen und durchschlagenden Wendung. Es war
ihr Schicksal, daß sie, entsprechend der Zerstreuung der deutschen
Kultur, vereinzelt blieben; es fehlte die gegenseitige Anregung
und der aus ihr hervorgehende Trieb auf einen allgemeinen
Fortschrit. Zudem: wie übermächtig war in den Tagen
dieser Malerei der Historismus, und das hieß die Figuren—
malerei: — vor allem gerade in München und Düsseldorf
feierte sie, dort im Historienbild, hier im Sittenstück, in den
fünfziger und sechziger Jahren ihre größten Triumphe.
Aber auch der Übergang zu einem physiologischen Im—
pressionismus des Figurenbildes schlug nicht durch; denn im
Grunde wurde er nur durch zwei große, aber vereinzelt bleibende
Meister vertreten, durch den sterreicher Pettenkofen und vor
allem den Preußen Menzel.
Von der Lithographie ausgehend, die sein Vater und auch
er anfangs berufsmäßig betrieben, zeigt Menzel (geb. 1815) schon
in seinen ersten Olbildern gegen Ende der dreißiger Jahre eine
damals fast allein dastehende Wahrheit in der Beobachtung des
Farbigen und in seinen Zeichnungen zur Zeit Friedrichs des
Großen (von 1840) einen malerischen Zug, der eine bis dahin
unbekannte Tonfeinheit der Holzschneidekunst hervorrief. Im
nächsten Jahrzehnt, deutlich seit 1830 („Tafelrunde Friedrichs
des Großen“), beginnen dann weitere Entdeckungen Menzels auf
dem Gebiete der Malerei. Sie laufen etwa parallel den im—
pressionistischen Anfängen der Prärafaeliten und haben mit