Bildende Kunst.
—E
monien, am einfachsten etwa in einer Anlage pyramidalen
Aufbaus nach oben oder nach unten oder in energischem Drängen
nach rechts oder links oder auch in einer Seitenverschie—
bung der pyramidalen Anordnung nach einer der beiden Rich—
tungen. Gewiß wurde dabei auch auf die Verteilung der
Farbenelemente und damit auch des Lichtes Rücksicht ge—
nommen; aber doch stand dies Problem an zweiter Stelle, be—
herrschte nicht das Ganze der Komposition. Erst innerhalb des
zeichnerisch gegebenen Gerüsts, das zumeist auch vor aller Farbe
der Leinwand des künftigen Bildes genau einverleibt wurde,
galt es dann Farbe und Licht zur Geltung zu bringen. Und
dabei erschienen diese beiden Elemente im Grunde noch getrennt.
Das Licht gab die Höhen und Tiefen, die Farbe den Lokalton.
Das Licht galt also noch nicht als das allgemeine Fluidum,
in dem jeder Gegenstand gleichsam schwimmt, sondern als Ele—
ment einer mehr oder minder hellen, zu den Gegenständen erst
hinzutretenden Beleuchtung. Darum wirkte es entweder ins
Helle oder ins Dunkle: belichtete Stellen wurden ins Weißliche
oder Gelbliche gezogen, die Schatten erschienen schwarz. Nun
hatte man freilich längst bemerkt, daß mit einer solchen Be—
handlung des Lichtes der Wirklichkeit nicht Genüge geschehe:
die Bilder erschienen zu kalt, zumal sie, zur Ausschließung der
wechselnden Beleuchtungen eines vollen Sonnentags, in nach
Norden gelegenen Werkstätten gemalt wurden. Es war also
dafür zu sorgen, daß die Bilder trotz der gewählten Licht—
behandlung einen warmen Eindruck machten. Hierfür setzte man
denn jeder Farbe je nach Bedarf ein gewisses Maß von warmen
gelblichen, bräunlichen, rötlichen Tönen zu, so daß dann die
Schatten z. B. ins Braune oder auch Rote fallen konnten; durch
diesen Ton glaubte man dem Bilde das Leben des Lichts ein—
zuverleiben. Natürlich war auf diese Weise das gesamte Wesen
der Wirklichkeit im Bilde von Grund aus verändert: denn da
wir alle Dinge im Lichte sehen, so entfernte jede schiefe Be—
handlung gerade des Lichtes alles andere unaufhaltsam von dieser
gesehenen Wirklichkeit.
In diesem Zusammenhang wird klar, daß eine weitere
Lamprecht, Deutsche Geschichte. Erster Ergänzungsband. 9.