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Bildende Kunst.
Böcklins allgemeine Bedeutung liegt darin, daß er den Weg
gefunden hat, die moderne Farbenwelt so zu intensivieren, daß sie
der idealistisch gesteigerten Wiedergabe der Form in ebenbürtiger
Harmonie zur Seite trat, — und daß ihm gelungen ist, in
dem Zusammenwirken von Form und Farbe auch den Raum
so zu meistern, daß das Raumgefühl intensiviert erscheint. Halt
dagegen machte seine Idealisierung noch vor den modernen spezi⸗
fischen Lichterscheinungen. Nicht als ob er nicht auch Lichteffekte
beherrscht hätte. Aber es sind solche begrenzter Art: die
zarten, dunstigen, unendlich abschattierten Widerscheine liegen
nicht im Bereiche seiner Kunst, sie sind mit dieser unverträglich:
nur die allgemeine Helligkeit, die Helligkeit einer frühlings—
feuchten Atmosphäre hat er idealistisch verkörpert. Damit
hängt die stoffliche Begrenzung seines Anschauungskreises zu—
sammen. Nordischer Phantastik keineswegs abhold, ist Böcklin
doch wesentlich der Idealisierung der italienischen Natur, genauer
noch der Natur der italienischen Westküste treu geblieben.
Damit fiel denn die ganze Poesie des cisalpinen Lichtes hin—
weg. Und auch innerhalb der gegebenen Grenzen sind es vor
allem die weihevollen, die Feststimmungen der Natur und ihrer
Lebewesen, denen der Meister auf der Höhe seiner Kunst nach—
geht; selten nur hat er den trüberen Stimmungsgehalt des
Herbstes, nicht zu häufig den heißwehenden Odem des Sommers
gemalt: dem Lenz vor allem lebt er und in der heißen Zeit
der Poesie des südlichen Meeres.
Der Gefühlsleiter nach aber bewegt sich Böcklin durch fast
alle Reiche, die sich der Mitempfindung des Alls erschließen:
neben dem Sinnigen wird das Ernste und Wehmütige veranschau—
licht, neben dem Einfachen das Gemessene und Würdige; neben
Ausgelassenheit und Scherz und heimlichem Humor steht Sehn⸗
sucht und Trauer und trostlose Schwermut; und Lieblichkeit
und Erhabenheit sind oft, Schauer und Schrecken doch nicht
selten wiederkehrende Gefühle. Begrenzt noch im Gegenstand
der Darstellung, weil gebunden noch an eine gewisse Wiedergabe
des Lichtes, ist Böcklins Kunst schier unendlich in der wandeln—
den Belebung der Natur durch Gefühle: das Herz des