Object: Nationalökonomie (Teil 1)

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der nicht ohne Risiko war, wofür ein Zins nicht zu umgehen, da ohne 
denselben ein solches Darlehen nicht zu erlangen gewesen wäre. 
Ganz eigentümlich ist der Anschauung des canonischen Rechts 
die Verwerfung des Tauschwertes und alleinige Acceptierung des 
Gebrauchswertes als Grundlage des Preises, Es sei allein gerecht 
einen Gegenstand nach dem Gebrauchswerte zu bezahlen, nicht aber wie 
3ein Wert sich zufällig durch die Konkurrenzverhältnisse gestalte, daher 
das Streben nach einer Normierung der Preise durch die Staatsgewalt. 
8 86. 
Der Beginn der neueren Zeit. 
Wiskemann, Darstellung der in Deutschland zur Zeit der Reformation herr- 
schenden nationalökonomischen Ansichten. Leipzig 1861. 
&. Schmoller, Zur Geschichte der nationalökonomischen Ansichten in Deutsch- 
‚and während der Reformationsperiode. Tübing. Zeitschr, 1860. 
Frank &G. Ward, Darstellung und Würdigung der Ansichten Luthers vom 
Staat und seinen wirtschaftlichen Aufgaben, Jena 1898. 
Ludw. Elster, Johann Calvin, in Jahrb, f, Nat.-Oekon. 1878, Ba. XXXI. 
Wie nach vielen Richtungen, so ist auch für die Entwickelung 
des Wirtschaftslebens das Mittelalter früher geschlossen, als es ge- 
wöhnlich angenommen wird: schon mit dem 13. resp. 14. Jahrhundert. 
Durch die Ausbildung der Städte und den stärkeren Handelsverkehr 
mit dem Orient nach den Kreuzzügen bürgerte sich der (Jeldverkehr 
immer mehr ein, und entwickelte sich allmählich die Geldwirtschaft. 
Die Erweiterung der individuellen Freiheit innerhalb‘ der städtischen 
Mauern, die Entwickelung der Gewerbe unter der Zucht der Zünfte 
brachten neues Leben in das gesamte Getriebe und bildeten erst 
aine Volkswirtschaft, Durch die Ausbildung der absoluten Monarchie 
zuerst in Frankreich gewann die Staatsgewalt neue Aufgaben, die auch 
das wirtschaftliche Leben erfaßten. ‚Infolgedessen sehen wir schon in 
jener Zeit Männer auftreten, welche die wirtschaftlichen Vorgänge 
einer besonderen Untersuchung unterzogen; wie vor allen Thomas 
von Aquino im 13, Jahrhundert mit stark ausgesprochenen kommu- National- 
nistischen, dann canonistischen Anschauungen, der Franzose Nicolaus ökonomische 
Oresmius, der 1382 als Bischof von Lisieux starb und in seinem SS 
„Tractatus de mutatione monetarum“ in einer Art Predigt eine Mittelalters 
für jene Zeit ganz hervorragende Münztheorie aufstellte, schließlich und zur Re 
Gabriel Bielin Württemberg Ende des 15. Jahrhunderts, der gleich- formations- 
falls eine sehr einsichtige Untersuchung über das Geldwesen und die zeit. 
Preisbildung lieferte, während er in der Beurteilung der Gewerbe noch 
auf dem alten canonistischen Standpunkt stand. 
Von nachhaltiger Bedeutung sind dann die Vertreter des Huma- 
nismus geworden, welche prinzipiell mit den alten Grundanschauungen 
brechen und uns damit in die neuere Zeit hinüber leiten. Hier ist vor 
allen Desiderius Erasmus (1467—1536) zu nennen, der zuerst der 
kanonistischen Auffassung entgegentrat und die Ehre der Arbeit auf 
die Fahne schrieb, die er hochhielt. Sein Hauptverdienst ist es, die 
Nützlichkeit aller gewerblichen Thätigkeit und die Ehrenhaftigkeit der- 
selben ausgesprochen zu haben, wie die Verderblichkeit des Müssig- 
gangs sowohl bei Soldaten, wie bei den Mönchen und dem Adel. Die 
bisherige Hochschätzung der Armut wird von ihm ebenso angegriffen 
wie die Ueberschätzung des Reichtums. Im übrigen zeigt er sich noch 
als ein Kind seiner Zeit.
	        
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