Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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so mußte sie als Unterlage diejenige zeichnende Kunst besonders 
willkommen heißen, die am weichsten war und am leichtesten 
Stimmung aufnahm und wiedergab. Diese Kunst aber war 
die des Steindrucks. 
Was Thoma im Steindruck geschaffen hat, weist meist auf 
ältere Funde seiner Phantasie zurück, und auch frühere Studien 
nach der Natur sind benutzt worden. Dabei tritt die Land— 
schaft noch mehr zurück und siegt fast ganz das Groß— 
figurige. Und mehr noch: die Technik der immer noch 
fortgeschaffenen Olgemälde beginnt sich nun dem litho— 
graphischen Zeichnungsstile anzunähern, ja unterzuordnen. Nie 
war Thoma pikant in der Farbe, ja auch nur stark sinnlich 
gewesen: jetzt verlieren die Farben den goldigen Schimmer 
früherer Zeiten und werden leicht harte, stumpfe, auf Einzel⸗ 
heiten verzichtende Flächenfüller; immer hatte sein Schaffen bei 
aller Fülle und Fruchtbarkeit das Schwere, Strenge, Arbeits⸗ 
bolle des deutschen Bauern behalten: jetzt erscheint die ganze 
—V 
werten Anmut: die Bilder werden fast zu kolorierten Zeich— 
nungen, und aus ihnen spricht beinah unverhüllt nicht mehr der 
Maler, der manneskräftig der Erscheinungswelt als etwas in 
sich Vollendetem zugewandt ist, sondern der Greis altväterischen 
Sinnens und Denkens. 
Sollte es das Schicksal des Übergangsidealismus sein, in 
einer neuen Kartonkunst zu enden? 
3. Mar Klinger, geboren 1887, war in den ersten Perioden 
seines Schaffens vornehmlich Radierer und ist jetzt vornehmlich 
Bildhauer: — er weist in einigen Zügen zurück auf Genelli 
und Schwind und deren Vorgänger bis, ins 18. Jahrhundert; 
und er ist der letzte der Idealisten der Übergangszeit, er weist 
— 
Radierung und Kupferstich, die Fürstinnen im Reiche 
jener Künste, die Klinger unter dem Namen Griffelkunst zu— 
sammengefaßt hat, waren im Laufe des 19. Jahrhunderts von
	        
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