Bildende Kunst.
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so mußte sie als Unterlage diejenige zeichnende Kunst besonders
willkommen heißen, die am weichsten war und am leichtesten
Stimmung aufnahm und wiedergab. Diese Kunst aber war
die des Steindrucks.
Was Thoma im Steindruck geschaffen hat, weist meist auf
ältere Funde seiner Phantasie zurück, und auch frühere Studien
nach der Natur sind benutzt worden. Dabei tritt die Land—
schaft noch mehr zurück und siegt fast ganz das Groß—
figurige. Und mehr noch: die Technik der immer noch
fortgeschaffenen Olgemälde beginnt sich nun dem litho—
graphischen Zeichnungsstile anzunähern, ja unterzuordnen. Nie
war Thoma pikant in der Farbe, ja auch nur stark sinnlich
gewesen: jetzt verlieren die Farben den goldigen Schimmer
früherer Zeiten und werden leicht harte, stumpfe, auf Einzel⸗
heiten verzichtende Flächenfüller; immer hatte sein Schaffen bei
aller Fülle und Fruchtbarkeit das Schwere, Strenge, Arbeits⸗
bolle des deutschen Bauern behalten: jetzt erscheint die ganze
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werten Anmut: die Bilder werden fast zu kolorierten Zeich—
nungen, und aus ihnen spricht beinah unverhüllt nicht mehr der
Maler, der manneskräftig der Erscheinungswelt als etwas in
sich Vollendetem zugewandt ist, sondern der Greis altväterischen
Sinnens und Denkens.
Sollte es das Schicksal des Übergangsidealismus sein, in
einer neuen Kartonkunst zu enden?
3. Mar Klinger, geboren 1887, war in den ersten Perioden
seines Schaffens vornehmlich Radierer und ist jetzt vornehmlich
Bildhauer: — er weist in einigen Zügen zurück auf Genelli
und Schwind und deren Vorgänger bis, ins 18. Jahrhundert;
und er ist der letzte der Idealisten der Übergangszeit, er weist
—
Radierung und Kupferstich, die Fürstinnen im Reiche
jener Künste, die Klinger unter dem Namen Griffelkunst zu—
sammengefaßt hat, waren im Laufe des 19. Jahrhunderts von