Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
2317 
Die roten Jungen hinterher 
In todesbringender Carrière, 
Daß wild die Spitzen der Chabracken 
Den Grashalm fegen wie der Wind. 
Und hussa, hep, die bunten Jacken, 
Sind wir am Waldesrand geschwind. 
Beknatter, dann ein tolles Laufen, 
Wir konnten kaum mit ihnen raufen, 
So rissen die Gascogner aus 
Vor unserm Säbelschnittgesaus. 
Dem Kriege fast ausschließlich, seinen raschen, blitzschnell 
wechselnden Eindrücken, seiner hehren Aufregung der Nerven 
gehören die schönsten und frühesten der Eingebungen des 
Dichters an, und lange noch jenseits der großen Kämpfe lebt 
er im Rausche ihrer Impressionen: 
Bisweilen ist mir, als ob ich höre 
Die Trommeln wirbeln und den Ruf der Hörner. 
Und siegestrunken bricht aus tausend Kehlen, 
Es klingt zu mir aus ungemessnen Fernen 
Ein brausend Hurrah jauchzend zu den Sternen. 
Man sagt wohl, die Kriege von 1866 und 1870 hätten 
uns keine Poesie gebracht. Aber wie hätte man vor diplomatisch 
eingeleiteten Kriegen, deren Ausbruch noch wenige Wochen vor 
der Kriegserklärung zweifelhaft oder gar unwahrscheinlich 
war, unmittelbar jenen Ausdruck der Gefühle erwarten können, 
den in der Zeit der Freiheitskriege die jahrelange Not, das 
Zähneknirschen unter der Faust eines fremden Zwingherrn ohne 
Großmut hervorbrachte? Die neuen Kriegszeiten konnten nicht 
die Seher und Propheten, konnten nicht einen Arndt und 
Körner und Schenkendorf erzeugen. Erst im Kriege selbst er— 
wuchs die Poesie, und es war nicht die Poesie des Unter— 
drückten, sondern des Siegers. Sie aber ist es, die wir bei Lilien— 
eron finden — finden im Verein mit einer unglaublich sicheren, 
nur dem Sieger möglichen Beobachtung der Einzelvorgänge des 
Kampfes. Jawohl, es ist etwas wie technische Dichtung, wie 
ein Gegenstück zur technischen Strategie eines Moltke. Aber 
wer in ihren Geist eintaucht, wird sie nie wieder vergessen, 
auch da nicht, wo sie statt der geschlossenen dichterischen Form
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.