Dichtung.
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Die roten Jungen hinterher
In todesbringender Carrière,
Daß wild die Spitzen der Chabracken
Den Grashalm fegen wie der Wind.
Und hussa, hep, die bunten Jacken,
Sind wir am Waldesrand geschwind.
Beknatter, dann ein tolles Laufen,
Wir konnten kaum mit ihnen raufen,
So rissen die Gascogner aus
Vor unserm Säbelschnittgesaus.
Dem Kriege fast ausschließlich, seinen raschen, blitzschnell
wechselnden Eindrücken, seiner hehren Aufregung der Nerven
gehören die schönsten und frühesten der Eingebungen des
Dichters an, und lange noch jenseits der großen Kämpfe lebt
er im Rausche ihrer Impressionen:
Bisweilen ist mir, als ob ich höre
Die Trommeln wirbeln und den Ruf der Hörner.
Und siegestrunken bricht aus tausend Kehlen,
Es klingt zu mir aus ungemessnen Fernen
Ein brausend Hurrah jauchzend zu den Sternen.
Man sagt wohl, die Kriege von 1866 und 1870 hätten
uns keine Poesie gebracht. Aber wie hätte man vor diplomatisch
eingeleiteten Kriegen, deren Ausbruch noch wenige Wochen vor
der Kriegserklärung zweifelhaft oder gar unwahrscheinlich
war, unmittelbar jenen Ausdruck der Gefühle erwarten können,
den in der Zeit der Freiheitskriege die jahrelange Not, das
Zähneknirschen unter der Faust eines fremden Zwingherrn ohne
Großmut hervorbrachte? Die neuen Kriegszeiten konnten nicht
die Seher und Propheten, konnten nicht einen Arndt und
Körner und Schenkendorf erzeugen. Erst im Kriege selbst er—
wuchs die Poesie, und es war nicht die Poesie des Unter—
drückten, sondern des Siegers. Sie aber ist es, die wir bei Lilien—
eron finden — finden im Verein mit einer unglaublich sicheren,
nur dem Sieger möglichen Beobachtung der Einzelvorgänge des
Kampfes. Jawohl, es ist etwas wie technische Dichtung, wie
ein Gegenstück zur technischen Strategie eines Moltke. Aber
wer in ihren Geist eintaucht, wird sie nie wieder vergessen,
auch da nicht, wo sie statt der geschlossenen dichterischen Form