Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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War man noch in den achtziger Jahren weithin von einem 
Satze überzeugt wie dem folgenden: Le retour à la nature, 
Vévolution naturaliste, qui emporte le siècle, pousse peu 
à peu toutes les manifestations de l'intelligence huwaine 
dans une môme vie scientifique? Waren das für die 
deutsche Kultur nicht unverstandene Sirenenklänge aus dem 
positivistischen Systeme Comtes und aus dessen litterarischer 
Ausmünzung durch Taine — aus fast unbekannten Vorgängen 
der dreißiger bis fünfziger Jahre der französischen Kultur— 
geschichte? Die Schilderung der deutschen litterarischen Ent— 
wicklung wird zeigen, inwieweit Zola und der französische 
Naturalismus in ihr eine Macht waren. 
Merkwürdiger jedenfalls griffen die nordgermanischen und 
die slavischen Litteraturen ein. Man kann nicht eigentlich sagen: 
in der Lyrik und in der Kunsterzählung. Das Hauptgebiet 
ihres Einflusses war vielmehr das Drama. Warum? Diese 
Litteraturen erinnern in mancher Hinsicht an die Bedeutung 
der deutschen homines novi innerhalb derselben Zeiten unserer 
Entwicklung, der vielen Offiziere zumal, der Liliencron, Uhde, 
Egidy und anderer. Das, was diesen zu gute gekommen war, 
war ihre geistige Jungfräulichkeit gewesen: fast bedingungslos 
konnten sie sich dem neuen reizsamen Seelenleben hingeben, 
ohne durch frühere litterarische, künstlerische, philosophische Ein— 
drücke und entgegenstehende Traditionen allzuviel gestört zu sein. 
Ähnlich war die Lage der östlichen und nordischen Nationen; auch 
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genommene Neulinge; und nirgends kam ihnen diese Lage im 
Vergleich mit den großen historischen Litteraturnationen mehr 
zu gute als im Drama. Denn in welcher Gattung der Dichtung 
ist die Tradition stärker, wo die „Mache“ von mehr Bedeutung? 
Und so entfalteten denn eben diese Nationen den neuen, impressio— 
nistischen Stil des Dramas frei und in voller Reine, ungestört 
von den Hindernissen einer belastenden Vergangenheit. 
Von diesen Litteraturen wirkten nun die schwedische und 
russische auf die deutsche nicht so übermäßig. Von Schweden her 
ward eigentlich erst Strindberg von Einfluß, und dieser erst nach 
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