Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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Eindrücke an, die später weit voller aus dem Munde der Dichter 
der neunziger Jahre ertönte. 
Der merkwürdigste aber jener Dichter, bei denen ein rein 
psychologischer Impressionismus wenigstens den Hauptbestand⸗ 
teil der Kunst ausmacht, ist Richard Dehmel (geb. 1863; „Er—⸗ 
lösungen“, 1891; „Aber die Liebe“, 1893; „Weib und Welt“, 
1896; „Lebensblätter“, 18905). Dehmel hat sehr viel Barockes; 
neben Schwulst steht Prosa und wirkt noch mehr fast als jener 
reflektiert, abstoßend, erkültend. Aber all dies Schwanken überholt 
aicht selten ein merkwürdiger lyrischer Schwung und eine un— 
zlaubliche Sicherheit der pfsychologischen und auch schon der 
neurologischen Technik. Darnach ist das Gesamtergebnis in 
oielen Fällen bedenklich; eine merkwürdige Zerrissenheit der 
Eindrücke, von der es manchmal scheint, als sei sie beabsichtigt; 
eine fortwährend von Beobachtung und Nachdenken bedrohte, 
an sich überquellend starke Einbildungskraft; dazu oft das 
Gegenteil einer großen, freien Form: Halbangedeutetes, geheimnis⸗ 
voll Erscheinendes, von dem man bisweilen nicht weiß, ob es 
der Kunst oder dem Ungeschick des Dichters verdankt wird. 
Aber daneben wieder große Treffer feinster Beobachtung, die 
auch in der Form zu wahren Kunstwerken ausgestaltet werden, 
wenn diese Form einige sprachliche Unbeholfenheit zuläßt oder 
zur Voraussetzung hat. So namentlich in der Kinderpoesie: 
auf diesem Gebiete mag Dehmel mit seiner tiefen Versenkung 
in jede Regung, jeden Eindruck der Kinderseele am ehesten 
dauernd Neues geschaffen haben. Und noch nach einer anderen 
Richtung hin erscheint seine Poesie wenigstens entwicklungs⸗ 
geschichtlich wichtig. Neben kurzatmigen Impressionen in ge⸗ 
wöhnlicher Sprache, in denen äußere Erfahrung und seelischer 
Vorgang oft kunterbunt durcheinander wirbeln, stehen Gedichte, 
in denen sich eine Seele, die in Superlativen innerer Spannungs⸗ 
intensitäten lebt, in langen Gesängen ergeht, welche in einer 
nicht selten blendenden, prunkenden, gleich einem Moreauschen 
Geinälde schmuckbeladenen, in strengem Tonfall majestätisch 
gleitenden Sprache dahinfließen. Es ist, als hörte man einen 
uinderen Dichter. Dabei sind diese im Grunde überaus inten—
	        
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