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Dichtung
siven Eindrücke oft abgemildert, sie erscheinen in halb nebel—
haften Umrissen, in zarter, stimmungsvoller Erweichung: es ist
das Eindringen idealischer, im stark betonten Sinne des Wortes
persönlicher Werte.
3. An zwei Stellen, im Verlauf sowohl des physiologischen
wie des psychologischen Impressionismus, haben wir so den Um—
schwung aus einer naturalistischen zu einer idealistischen Lyrik
eintreten sehen: dort zeigte die Rhythmenpoesie nach den strengen
ästhetischen Grundsätzen von Holz, hier die Ungebundenheit der
Dichtungen Dehmels den Übergang. Mußte dieser Übergang
nicht tief in der Entwicklung begründet sein, wenn er sich fast
gleichzeititg in so abweichenden Vorgängen durchsetzte? Und
beide Male handelte es sich zunächst um dieselbe Art des
Idealismus, um den primitiven Idealismus der persönlichen
Stimmung.
Und dies war wiederum derselbe Idealismus, den wir
auch in der Entfaltung der bildenden Kunst zuerst verfolgen
konnten.
Und innerhalb dieser Grenzen zeigten sich jetzt ebenfalls wie
im Gebiete der Malerei zwei Möglichkeiten weiterer Durch—
bildung: entweder konnte man wie dort die Lichtfarbenreize,
so hier die lautlich-nervösen Sensationen konturieren, in stärkstem
Umriß geben, — dann entstand dort der Plakatstil und das
Drnament, hier der Umrißstil der Holzschen Rhythmenpoesie;
oder aber man ließ dort die Farben, hier die sprachlichen Reiz—
effekte in weiche Harmonien austönen, — dann ergab sich dort
die Farbensymphonie und hier etwas, das man in Erinnerung
an die Poesie der Stephan George und Hofmannsthal wohl
symphonische Dichtung nennen könnte, wäre dieser technische
Ausdruck nicht schon von der Musik zur Bezeichnung der freien
symphonischen Formen seit Liszt vorweggenommen.
Und wie in der Malerei schließlich von diesen Möglich—
keiten in der hohen Kunst allein die Farbensymphonie (und in
der Bildnerei die ihr entsprechende Plastik) siegte, so trium—