Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung 
siven Eindrücke oft abgemildert, sie erscheinen in halb nebel— 
haften Umrissen, in zarter, stimmungsvoller Erweichung: es ist 
das Eindringen idealischer, im stark betonten Sinne des Wortes 
persönlicher Werte. 
3. An zwei Stellen, im Verlauf sowohl des physiologischen 
wie des psychologischen Impressionismus, haben wir so den Um— 
schwung aus einer naturalistischen zu einer idealistischen Lyrik 
eintreten sehen: dort zeigte die Rhythmenpoesie nach den strengen 
ästhetischen Grundsätzen von Holz, hier die Ungebundenheit der 
Dichtungen Dehmels den Übergang. Mußte dieser Übergang 
nicht tief in der Entwicklung begründet sein, wenn er sich fast 
gleichzeititg in so abweichenden Vorgängen durchsetzte? Und 
beide Male handelte es sich zunächst um dieselbe Art des 
Idealismus, um den primitiven Idealismus der persönlichen 
Stimmung. 
Und dies war wiederum derselbe Idealismus, den wir 
auch in der Entfaltung der bildenden Kunst zuerst verfolgen 
konnten. 
Und innerhalb dieser Grenzen zeigten sich jetzt ebenfalls wie 
im Gebiete der Malerei zwei Möglichkeiten weiterer Durch— 
bildung: entweder konnte man wie dort die Lichtfarbenreize, 
so hier die lautlich-nervösen Sensationen konturieren, in stärkstem 
Umriß geben, — dann entstand dort der Plakatstil und das 
Drnament, hier der Umrißstil der Holzschen Rhythmenpoesie; 
oder aber man ließ dort die Farben, hier die sprachlichen Reiz— 
effekte in weiche Harmonien austönen, — dann ergab sich dort 
die Farbensymphonie und hier etwas, das man in Erinnerung 
an die Poesie der Stephan George und Hofmannsthal wohl 
symphonische Dichtung nennen könnte, wäre dieser technische 
Ausdruck nicht schon von der Musik zur Bezeichnung der freien 
symphonischen Formen seit Liszt vorweggenommen. 
Und wie in der Malerei schließlich von diesen Möglich— 
keiten in der hohen Kunst allein die Farbensymphonie (und in 
der Bildnerei die ihr entsprechende Plastik) siegte, so trium—
	        
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