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Und weiter schritt ich, höhenwärts, mit Zagen.
Ein Märchenschloß erstand in blauer Ferne,
Und sachte gingen Sterne um und Sterne,
Als wollte schüchtern schon der Morgen tagen.
Dann stand ich schauernd in der Halle Schweigen.
Mit goldner Klinge schnitt ein bleicher Knabe
Vom Lorbeerbaume mir die Siegesgabe,
Den höchsten Preis, in grün belaubten Zweigen.
(Wilhelm Holzamer.)
Mit alledem ist, auf dem Wege der Verschweißung oft
recht wechselnder Elemente, in Formen, von denen teilweis
schon gelegentlich der Schilderung der Dichtung der George
und Hofmannsthal die Rede gewesen ist, im ganzen aber doch
unter steigender Entwicklung der stilisierenden Motive zunächst
eine idealistische Lyrik des Stimmungsgehaltes geschaffen worden.
Zweifelsohne eine große Errungenschaft.
Um sie zu würdigen, bedenke man, daß die frühere idea—
listische Lyrik des 19. Jahrhunderts sich zum größten Teil in
keiner eigenen Formenwelt bewegte, sondern in der Formenwelt
der Antike, des Klassizismus, der aus der Fremde befruchteten
Romantik. Und man bedenke weiter, daß in dieser neuen idea—
listischen Lyrik — und können wir hier nicht auch schon sagen:
in der modernen bildenden Kunst, ja können wir, späteres vor⸗
ausnehmend, nicht sogar auch schon von der modernen Dichtung
iberhaupt reden? —: daß also in der modernen Phantasie⸗
chätigkeit überhaupt zugleich mit der neuen idealistischen Form
auch die moderne Stimmung als ein neuer und nationaler
Inhalt heranreifte.
Das sind wahrlich große Dinge. Die Stimmung erwächst
mit der Formgebung. Sie ist mit ihr unlösbar verbunden.
Und daher unverkennbar ein neuer Stil.
Allein in dieser Einheit liegt auch die Begrenzung. Wie?
Sollte sich ein wesensanderer Idealismus, namentlich ein nicht
mehr rein persönlicher, sondern mehr objektiver Idealismus
sittlichen und patriotischen und religiösen Gehaltes in dieses
Gewand kleiden lassen? Schwerlich. Nun aber erschien die