Dichtung.
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zeichnete Romanfiguren erhielten einen Zug ins Humoristische,
Hauptmann und Sudermann schrieben 1892 den „Kollegen
Trampton“ und „Jolanthes Hochzeit“, und in Ernst von Wolzogen
bermeinte man nach den „Kindern der Excellenz“ (1890) und
dem Drama „Das Lumpengesindel“ den eingeborenen Vertreter
eines impressionistischen Humors entdeckt zu haben. Und Hand
in Hand mit diesen speziell litterarischen Anzeichen ging von
Jahr zu Jahr stärker der Umschwung in einen Idealismus
zuch der Lebensanschauung, gingen ethische und religiöse Strö—
mungen, von denen noch später zu sprechen sein wird.
In diesem allgemeinen Umschwung aber stellte sich auf
dem Gebiete der Dichtung doch wieder die Lyrik als führend
heraus; seit 1891 begann auch äußerlich die Zahl der lyrischen
Sammlungen zu wachsen; 1891 kam wieder unter altverehrtem
Namen ein moderner Musenalmanach heraus, und zahlreiche
neue Zeitschriften an sich vermischten Inhalts boten der Lyrik
mmer mehr eine bequeme, wohnlich gemachte und häufig be⸗
suchte Stätte.
4. Freilich ist auch dieser moderne lyrische Idealismus
nicht ohne Vorboten und Vorstufen erwachsen. Ja es lassen
sich sogar zwei Strömungen unterscheiden, die früh auf ihn
hinweisen, eine mehr romantische und eine, die von mehr
flassizistischer Auffassung aus zum Impressionismus hinüber⸗
geht: und bereits um 1870 ist dementsprechend von besonders
hellsichtigen Naturen, wie z. B. Scherer, ein kommender Um—
schwung zum Idealismus geahnt worden.
Der mehr romantischen Richtung gehört wohl mit als
frühester Träger Oskar Linke (geb. 1854) an; aus dem Realis⸗
mus heraustretend kehrt er gern zu den breiten Tummelplätzen
alter romantischer Neigungen zurück und erschaut etwa in den
Bestrebungen der sizilisch-normannischen Kultur unter dem
Staufenkaiser Heinrich VI., der auf ihr eine neue Welt⸗
monarchie aufbauen wollte, ähnlich wie Goethe im zweiten
Teile des „Faust“ antike Schönheit und mittelalterliche Kaiser—