Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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eben damit schon fern jedem überschwänglichen Subjektivismus 
findet sie wahres Gedeihen. Und so sind denn die Vorstufen 
ihrer modernen Ausbildung thatsächlich in den heimatlichen 
Richtungen der Dichtung der nächstvergangenen Generationen 
zu suchen: die Bauernkunst der vierziger und fünfziger Jahre ist 
ihr Ursprungsgebiet, und Jeremias Gotthelf mit seinen Schweizer⸗ 
geschichten, Otto Ludwig mit seinen Thüringer Erzählungen 
find ihre vornehmsten Paten. Von diesen Anfängen ab hat 
dann, wenn auch zeitweis durch den großstädtischen Impressio— 
nismus überschattet, die ganze Bewegung doch nie wieder nach— 
gelassen oder gar aufgehört: Zeuge dafür ist u. a. ein so starkes 
Talent wie der Balte Theodor Hermann Pantenius (geb. 1843), 
der konservativ-orthodoxe Romancier der Ostseeprovinzen (, Die 
von Keller“ 1885), — noch größerer Gestalten, wie namentlich 
der sterreicher Anzengruber und Rosegger, in gewissem Sinne 
auch der Ebner-Eschenbach, nicht zu gedenken. 
Wie mächtig aber diese Strömung schließlich aus den 
Vorbedingungen der modernen Litteratur und zugleich des 
nationalen Daseins der Gegenwart hervorquoll, dafür zeugt 
die Erscheinung, daß schließlich auch die allgemeine Litteratur 
landschaftliche Färbung erhielt — wie sehr ist doch Sudermann 
Preuße, Hauptmann Schlesier! —, und noch mehr vielleicht 
die Thatsache, daß eine neue landschaftliche Dichtung ihr 
Haupt alsbald auch in dem wiedergewonnenen Elsaß, freilich 
einer uralten und klassischen Geburtsstätte deutscher Dichtung, 
erhob: 1891 erschienen die Alsalieder Christian Schmidts, 1895 
die „Lieder eines Elsässers“ von Fritz Lienhard, der seither 
mächtig in die Heimatsbewegung eingegriffen hat, und 1899 
kam es in Straßburg sogar schon zur Gründung eines be— 
sonderen Elsässer Theaters, für das elsässische und andere 
deutsche Dichter im Geiste des alten Arnoldschen „Pfingst⸗ 
montags“ rüstig schufen und schaffen. 
Eine ganz besondere Bedeutung aber erhielt diese Strömung 
zur Heimatkunst seit etwa dem Jahre 1897, bis wohin die 
frühesten Spuren ihrer ausgesprochenen Pflege vor allem in 
sterreich zurückgehen: und zwar ebenfalls aus einem all⸗
	        
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