Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
der großen dramatischen Aufgaben der Zukunft, auf die eine 
gewaltige, klare und echte Linie der Entwicklung bereits von 
Goethes „Götz“ und Schillers „Tell“ her hinweist. Sollen auf 
der Bühne wieder die großen Angelegenheiten der Menschheit, 
nicht bloß die Fragen der mehr privaten und intimen Kreise 
des Lebens verhandelt werden, so muß der Schritt zu dem 
großen kulturhistorischen Drama und im besonderen auch zum 
sozialen Drama der Vergangenheit gethan werden. 
Gerhart Hauptmann hat dem naturalistisch-⸗impressionistischen 
Drama in Deutschland als deutscher Dichter die vornehmlichste 
Bahn gebrochen. Neben ihm aber steht noch eine ganze Reihe 
von teilweis nicht unbedeutenden Dichtern, die man doch nicht 
nur als seine Schüler, ja nicht einmal bloß als seine Um— 
gebung oder als seine Nachfolger bezeichnen kann: von denselben 
allgemeinen Tendenzen der Entwicklung erreicht und gehoben, 
haben sie zum großen Teil selbständig ihren Weg gemacht, — 
soweit denn überhaupt einem Individuum innerhalb der 
treibenden sozialpsychischen Kräfte seiner Zeit Selbständigkeit zu 
wahren vergönnt ist. Werden sie hier kürzer behandelt, so liegt 
das in der Konsequenz eines Verfahrens, dessen Absicht vor allem 
auf gedrungene Darstellung geht, und dem es deshalb von 
Wert war, einen Dichter, und natürlich den wichtigsten, als 
für eine ganze Richtung repräsentativ herauszugreifen. 
Von diesen Dichtern wäre an erster Stelle wohl Max 
Halbe (geb. 1865) zu erwähnen mit seinen Dramen „Eis—⸗ 
gang“ (1892), „Jugend“ (1893), „Mutter Erde“ (1898) und 
„Die Heimatlosen“ (1899). Halbe ist vor allem Virtuos der 
Zustandsschilderung, bleibt aber auch gern in dieser stecken. 
Da, wo es ihm gelungen ist, die behagliche Breite eines 
dramatischen Impressionismus mit den Katastrophengesetzen 
des alten Dramas innig zu durchdringen, hat er am meisten 
den Sinn des großen Publikums der neunziger Jahre getroffen: 
darum war damals die „Jugend“ sein erfolgreichstes Drama. 
Noch feiner und sicherer in der impressionistischen Technik als 
Halbe ist vielleicht Georg Hirschfeld (geb. 1873), und in der 
Schärfe der Beobachtung übertrifft er selbst Hauptmann, —
	        
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