Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(28) 1840 März 1 
Bis dahin leb wohl, schreibe bald und grüße den Klub, Edgar und, 
wenn Du einmal in Charlottenburg bist, alles bei mir zu Hause. 
Ach, wo sind die Rosetten geblieben; erst wenn Du zu 
Deinem B. Bauer 
kommst, werden sie mir wieder aufblühen. Aufheiterung, Lustigkeit etc. 
habe ich hier genug, ich habe auch genug, was man so nennt, gelacht, 
aber so wie in Berlin, wenn ich mit Dir auch nur über die Straße ging, 
noch nie wieder. 
28. Bruno Bauer an Marx in Berlin; Bonn 1840 
März 1 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin 
Lieber Marx! 
Soll ich Dir wirklich ein paar Zeilen schreiben? Ich weiß wahrhaftig 
nicht, ob ich es tun soll, obgleich ich die Feder schon in Lauf gesetzt 
habe und ein paar Zeilen in der Tat schon, sie mögen sein wie sie wollen, 7; 
dastehen. Wie oft habe ich Dir nun geschrieben, und Du schweigst! Und 
was soll ich Dir denn schreiben? Hier bleibt alles beim alten, d. h. es 
sieht so leer und träge aus wie immer. Ich weiß, man kann ungerecht 
werden, wenn man nach dem trivialen Laufe, den hier ein Tag nach dem 
andern zurücklegt, urteilen und, wie ich getan habe, über „flache Unbe- 20 
deutendheit“ klagen will, Aber wenn das Urteil des Unrechts überwiesen 
werden sollte, so müßte doch etwas Gescheiteres aus der Ruhe an den 
Tag kommen. Aber davon zeigt sich nichts. Bonn ist gewiß die Universität, 
die am wenigsten für die Wissenschaft liefert. Die gescheitesten Leute sind 
hier noch die Sprachforscher, wie Diez, Lassen, die mit an dem Mittags- 2: 
tische sind, wo ich esse, Wenn die sich aber an ihren Forschungen müde 
gearbeitet haben, so sind sie begnügt und wollen sie sich nicht durch 
Sophisterei beunruhigen lassen. Es ist merkwürdig, wie man hier jede Be- 
rührung einer der Kollisionen, die in Preußen soviel enthalten sind, flieht. 
Wenn ich manchmal anklopfe, weiß man nicht, was man denken soll. 30 
Der einzige, der hier klar sieht und frei denkt, ist Dr. Gildemeister — 
auch Sprachforscher in der philosophischen Fakultät. Er ist auch mit am 
Mittagstisch, mit ihm bin ich auch sonst oft zusammen, gehe mit ihm 
spazieren und kneipe mit ihm des Abends. Er ist es allein, mit dem ich 
wirklichen Umgang habe. Er ist ursprünglich Theologe und philosophisch 3: 
gebildet. Mit ihm kann ich noch über Herzensangelegenheiten sprechen. 
Er kennt die allgemeinen Verhältnisse und bekümmert sich um sie, wäh- 
rend sie den anderen unbekannt sind oder nur in der borniertesten Polizei- 
uniform erscheinen. — 
Davon hast Du mir ja nie gesagt, daß sich hier auch Vernunft findet. x 
Ich habe lange gesucht, bis mir endlich jemand die Göttin der Vernunft 
selbst zeigte. Es ist eine Apfelhökerin, die am Markte sitzt. Als junges
	        
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