Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
und „Florian Geyer“); nur die weitesten aller Arenen, die 
nationale, staatliche, kosmopolitische, sind noch wenig betreten 
worden. Und alsbald bildet sich, zuerst bei Ibsen, dann, mit 
gewissen Änderungen, auch bei Hauptmann, Sudermann, Halbe, 
Hartleben, Ernst Rosmer, Schnitzler u. a. auch eine besondere 
Form der Konfliktsbehandlung unter diesen Umständen heraus: 
eine Stilisierung also der Handlung und damit ein deutlicher 
Beweis für das Vorhandensein wenigstens idealistischer Mo— 
mente. Wir werden zunächst in eine Umwelt eingeführt, die 
im Verhältnis zu den Bestrebungen der zur Handlung be— 
rufenen Gestalten in labilem Gleichgewicht steht; dann erscheint 
eine Person, welche dies Gleichgewicht stört, indem sie dem 
Helden sein zum Kampfe gegen die Umwelt drängendes Innere 
erst völlig erschließt und frei macht, und der Konflikt beginnt. 
Genügt in großen sozialen Dramen eine Person nicht, so 
werden statt deren wohl auch mehrere aufgebracht, so z. B. in 
Hauptmanns „Webern“ der starke Weber Bäcker und der aus 
der Garnison heimkehrende Webergesell Jäger. 
Man darf bei diesen Gestalten wohl an etwas wie einen 
immanenten, die Handlung in Bewegung setzenden deus ex 
machina denken, wenn der Ausdruck erlaubt ist. Die Berechtigung 
hierzu ergiebt sich, wenn man Eigentümlichkeiten des parallel 
laufenden impressionistischen Romans heranzieht. Dieser ist be— 
kanntlich in den besten Fällen so gebaut, daß ein soziales Milieu 
geschildert erscheint, daß dann dessen langsame Änderungen vor⸗ 
geführt werden, und daß endlich zu Tage tritt, wie gewisse 
Personen, die sich in dem Zustand des ersten Milieus sehr 
wohl fühlten, in dem Schlußzustand nicht mehr leben können 
und zu Grunde gehen, es sei denn, daß sie sich diesem Zustand 
anpassen. Wie man sieht, wird also der Konflikt im Romane 
durch Verschiebung des Milieus erzeugt und dieses (und 
das heißt die immanente Gesetzmäßigkeit) dadurch als über— 
mächtig erwiesen. Dieser Weg, der langsame und eindring— 
liche Erzählung voraussetzt, kann im Drama nicht eingeschlagen 
werden. Hier wird daher das Problem so gefaßt, daß sich 
der Held oder die Heldin durch einen äußeren Anlaß, zumeist
	        
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