Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung.

physiologischen Entwicklungsethik aus den großen Idealen der
Menschheit, wie sie wenigstens die christliche Moral und die
Sittenlehre der Humanität klar besitzen, die Idee der Gleichheit
aller Menschen vor dem Sittengesetze ausscheiden: Entwicklung
der Gattung vielmehr zu einer höheren Art, zu einem vom
heutigen Menschen auch physiologisch verschiedenen Übermenschen:
das wurde die Idee, in der alles gipfelte. Also nicht das
Wohl aller galt mehr, sondern das der Tüchtigsten, der
Wenigsten; nicht Friede auf Erden hieß es, sondern Streit,
Haß, Kampf ums Dasein: ja Kampf ums Dasein — bis wohin?
Bis zu dem Punkte, daß die Übermenschen nach erreichtem
höheren Niveau dann doch wieder fortkämpfen um eine höhere
Stufe und so Stufe auf Stufe folgt: — und am Ende die
Pyramide sich gipfelt und Er übrig bleibt, der Höchste, Letzte,
Einzige? .... Das ist der Ausgang, der in der Konsequenz
des Systems liegt, — es ist die Konsequenz Stirners und der
Anarchisten.
Andererseits aber hatte nun Darwin doch wieder den
Nachweis geliefert, daß neben dem egoistischen Prinzip der
Zuchtwahl innerhalb der organischen Welt zugleich ein alt—⸗
ruistisches Prinzip der Mutterliebe und verwandter Triebe
von Anbeginn bestehe. Und er hatte weiter gelehrt, daß
dieses altruistische Prinzip sich bei den Herdentieren und
Tierstaaten zum sozialen erweitere, und daß aus dem sozialen
Prinzip der Tierwelt das moralische der Menschheit hervor⸗
gehe. Mit anderen Worten: neben Voraussetzungen einer rein
egoistischen Ethik bot die Lehre Darwins doch auch Momente
dar, die auf eine soziologische Entwicklungsethik des Altruismus
hinwiesen.
Und konnten nun diese Elemente durch die egoistische Evo⸗
lutionsethik ohne weiteres ausgestoßen werden?
Keineswegs! Es ist klar, daß die Ziele des ethisch-physio—
logischen Evolutionismus, die Regelung der natürlichen Aus—
lese, die Erringung eines Übermenschentums und tausend andere
Forderungen thatsächlich gar nicht aufgenommen oder verwirk—
licht werden können ohne stärkste Bindung der Freiheit des Ein—
            
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