Weltanschauung.
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ethische Normen abgeleitet hatte. So hat in Deutschland
Wilhelm Jordan bereits in dem Epos „Demiurgos“ (1854) den
Kampf ums Dasein als das eigentliche Geheimnis der Ent—
wicklung gezeichnet und hieraus für die sittlichen Anschauungen
seines Helden Folgerungen gezogen. Späterhin hat dann
freilich Jordan, nunmehr mit den Lehren Darwins vertraut,
seine Meinung weit deutlicher formuliert und eine Ethik gelehrt,
die sich in den Versen Fritz Kögels zusammenfassen läßt:
Soll alles, was du hast und bist, verderben?
Bleibt nichts von deinem Sein und Ich zurück?
Bau über dich hinaus und laß den Erben
Gesundheit, Stärke, Selbstbeherrschung, Glück!
Indes zunächst und im allgemeinen war man doch ratlos;
und Darwin selbst ist weit davon entfernt geblieben, die
sittlichen Folgen seiner Entwicklungslehre ganz zu empfinden.
In der That war die Aufgabe, eine Ethik des Evolutionismus
zu entwickeln, scharf ins Auge gefaßt, nicht eben leicht. Denn
zweierlei Ethiken konnten bei genauerem Eingehen auf die
Lehren des Darwinismus begründet werden.
Einmal hatte Darwin für die Entwicklung der organischen
Welt die Erklärungsreihe der Anpassung und Vererbung (soweit
man diese etwa noch heute gelten lassen will) und der Zucht⸗
wahl oder natürlichen Auslese, wonach nur die kräftigsten
Individuen überleben, gefunden. Es waren egoistische Prin⸗
zipien; übertrug man sie auf die Menschenwelt und die will—⸗
kürliche und das heißt sittliche Regelung der Entwicklung der⸗
selben, so kam man zu einer physiologischen Entwicklungsethik
des Egoismus. Und da ergab sich denn als eine der ersten
und grundsätzlichsten Forderungen, daß alle Hindernisse für die
natürliche Auslese fallen müssen, so vor allem das Erbrecht
und jede Begünstigung des Einzelnen durch Momente, die
außerhalb seiner individuellen Anlage liegen. Und weiter ergab
sich, daß die Auslese geregelt werden müsse: also Heiratsverbote
gegenüber Kranken, Beseitigung allzu Schwacher oder Schwacher
uͤberhaupt u. s. w. Ferner mußte nach den Prinzipien einer