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Weltanschauung
unser bewußtes Wollen aufstellt, ist doch im Verlaufe der
späteren wissenschaftlich-intellektualistischen Zeit des 19. Jahr—
hunderts immer mehr zurückgetreten. Maßgebend war hierfür
vielleicht mit die Scheidung zwischen den Objekten der Meta—
physik und der Religion, die sich seit dem subjektivistischen
Zeitalter immer klarer vollzogen hat. Umfaßte noch bis ins
18. Jahrhundert hinein die Religion, als uralter Ausdruck
jeglicher metaphyfischen Philosophie, eigentlich zwei große Ge—
biete, nämlich das des Bedürfnisses der Welterklärung und das
des Strebens nach Heiligung oder nach dem Besitze eines
höchsten Gutes — Gebiete, die freilich durch vielfache Mög⸗
lichkeiten der Gedankenverbindung zusammenhängen —, so trat
seit Kant theoretisch und dann auch immer deutlicher in der
Praxis der Unterschied ein, daß die Frage nach der Einheit
der Welt als metaphysisch, die Frage nach der Erkenntnis des
höchsten Gutes und der Möglichkeit, die Wirkung desselben zu
erfahren, dagegen als religiös betrachtet wurde. Ist dann
darüber hinaus neuerdings die Frage immer stärker aufgeworfen
worden, inwiefern selbst noch Ethik und Religion unzertrennbar
zusammenhängen oder nicht, so ergab sich doch zunächst bei der
Trennung metaphysischer und religiöser Betrachtungen und
teilweis auch Überzeugungen als sicher vor allem die Trennung
von Ethik und Metaphysik; und die hieraus folgenden Er—⸗
scheinungen des Denkens wurden sichtbar besonders von der
Zeit jener Forscher an, die nicht mehr dem Bannkreis der
Identitätsphilosophie angehörten.
Der erste große Philosoph, der hier in Betracht kommt,
ist Beneke gewesen. Bei ihm hat das Bestreben, die Ethik
rein psychologisch und keineswegs mehr metaphysisch zu be⸗
gründen, schon unzweifelhaften Erfolg. Er basiert die Ethik
auf die psychischen Wertverhältnisse. Psychische Werte sieht
er dabei sich nach den Steigerungen und Herabstimmungen
unseres Seelenlebens bilden, die entweder unmittelbar aus der
Empfindung oder aus deren Reproduktion, und hier dann
teils als Einbildungsvorstellungen, teils als Begehren, hervor—
gehen: Steigerungen bedeuten Erhöhung, Herabstimmungen