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Weltanschauung
erfüllt, als äußere Kausalität ergeben. Das Bewußtsein könne
aber nicht mehr als Wille und Vorstellung gefaßt werden:
daneben oder vielmehr davor trete als Grundkraft das Gefühl in
seinen urwüchsigsten Erscheinungen der Empfindung, des Reflexes
und der sogenannten automatischen Handlung. Dies Gefühl nun
sei der Urgrund der Entwicklung der Seele und habe daher für
die Psyche den Primat zu beanspruchen bei einem Deutungs⸗
versuch des Zusammenlebens zwischen Materie und Bewußtsein.
Nun sei aber das Gefühl überhaupt eigentlich keine rein
psychische Thatsache mehr im Sinne von Vorstellung und
Willen, sondern vielmehr die Empfindung der Vereinigung von
Bewußtsein und Körper in uns, der Ausdruck des Umstandes,
daß wir für diese zwiefache Bestimmung ein identisches Kriterium
haben: und insofern die primitive Thatsächlichkeit unserer selbst.
Damit sei denn in der Gefühlswelt des Individuums jene Ver—
einigung des Ideal- und des Realgrundes des Seins ganz konkret
vollzogen, die man bisher immer in abstracto gesucht habe.
Den Erscheinungen in den Individuen entsprechend
nimmt dann v. Feldegg nach bekanntem Analogieschluß auch
weitere höhere Gefühlseinheiten an bis zu einer höchsten: so daß
schließlich, genau wie bei Fechner, ein Monismus zu Tage tritt,
der stark von dem älteren pantheistischen Monismus abweicht.
Denn die Allheit ist Feldegg nicht eine bloße höhere Einheit,
welche die Individualität in sich aufsaugt. Sie ist vielmehr
selbst Individuum: und der Glaube an einen persönlichen
Gott bildet den Gipfelpunkt seines Systemes. —
Das, was all die jüngsten, bisher zur Darstellung ge—
langten Lehren miteinander verbindet, ist eine starke Neigung
zu monistischer Auffassung von Natur und Geist. Es ist eine
Richtung des Denkens, die dem 19. Jahrhundert insbesondere
schon durch die fortwirkenden Einflüsse der Identitätsphilosophie
und Hegels nahegelegt wurde; noch entschiedener aber, ja wohl
ausschlaggebend wirkte in diesem Sinne die rasche, lange Zeit
alles Geistesleben beherrschende Entwicklung der Wissenschaft.
Denn wissenschaftlich denken heißt die Dinge unter dem Ge—
setze der absoluten Geltung von Ursache und Wirkung be—