Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung 
erfüllt, als äußere Kausalität ergeben. Das Bewußtsein könne 
aber nicht mehr als Wille und Vorstellung gefaßt werden: 
daneben oder vielmehr davor trete als Grundkraft das Gefühl in 
seinen urwüchsigsten Erscheinungen der Empfindung, des Reflexes 
und der sogenannten automatischen Handlung. Dies Gefühl nun 
sei der Urgrund der Entwicklung der Seele und habe daher für 
die Psyche den Primat zu beanspruchen bei einem Deutungs⸗ 
versuch des Zusammenlebens zwischen Materie und Bewußtsein. 
Nun sei aber das Gefühl überhaupt eigentlich keine rein 
psychische Thatsache mehr im Sinne von Vorstellung und 
Willen, sondern vielmehr die Empfindung der Vereinigung von 
Bewußtsein und Körper in uns, der Ausdruck des Umstandes, 
daß wir für diese zwiefache Bestimmung ein identisches Kriterium 
haben: und insofern die primitive Thatsächlichkeit unserer selbst. 
Damit sei denn in der Gefühlswelt des Individuums jene Ver— 
einigung des Ideal- und des Realgrundes des Seins ganz konkret 
vollzogen, die man bisher immer in abstracto gesucht habe. 
Den Erscheinungen in den Individuen entsprechend 
nimmt dann v. Feldegg nach bekanntem Analogieschluß auch 
weitere höhere Gefühlseinheiten an bis zu einer höchsten: so daß 
schließlich, genau wie bei Fechner, ein Monismus zu Tage tritt, 
der stark von dem älteren pantheistischen Monismus abweicht. 
Denn die Allheit ist Feldegg nicht eine bloße höhere Einheit, 
welche die Individualität in sich aufsaugt. Sie ist vielmehr 
selbst Individuum: und der Glaube an einen persönlichen 
Gott bildet den Gipfelpunkt seines Systemes. — 
Das, was all die jüngsten, bisher zur Darstellung ge— 
langten Lehren miteinander verbindet, ist eine starke Neigung 
zu monistischer Auffassung von Natur und Geist. Es ist eine 
Richtung des Denkens, die dem 19. Jahrhundert insbesondere 
schon durch die fortwirkenden Einflüsse der Identitätsphilosophie 
und Hegels nahegelegt wurde; noch entschiedener aber, ja wohl 
ausschlaggebend wirkte in diesem Sinne die rasche, lange Zeit 
alles Geistesleben beherrschende Entwicklung der Wissenschaft. 
Denn wissenschaftlich denken heißt die Dinge unter dem Ge— 
setze der absoluten Geltung von Ursache und Wirkung be—
	        
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