Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung. 
weiter gebildet, verlief sich vielnehr in die Sandöden der so⸗ 
genannten „Tabellenknechte“, noch wurden die soziologischen 
Anfangslehren Wegelins, Herders und anderer ausgebaut. 
Wozu auch, da der dialektische Evolutionismus Fichtes und 
Hegels alles — und noch dazu unendlich viel einfacher — er—⸗ 
klärte, als es empirische Tendenzen einer Soziologie auf statisti⸗ 
scher Grundlage hätten thun können. Daß diefer romantische 
Evolutionismus auf dem einen großen Irrtum beruhte, au— 
zunehmen, daß das, was man denke, auch wirklich sein müsse — 
diese liebenswürdige phantastische Voraussetzung der Gedanken⸗ 
dichtung der Identitätsphilosophen, den großen ontologischen 
Irrtum schon der Scholastik, hat im Grunde erst der moderne 
Positivismus als Wahn bewiesen. 
Doch regten sich seit den zwanziger und dreißiger Jahren, 
mit dem Erwachen des wissenschaftlichen Realismus, die An— 
fänge einer neuen erfahrungsmäßigen Psychologie. In dieser 
Zeit gediehen die mechanistischen Lehren Herbarts über die 
Vorstellungen zu voller Reife; und 18833 erschien Benekes Lehr⸗ 
buch der Psychologie als Naturwissenschaft. Aber haben diese 
Denker eine neue Höhe psychologischer Erfahrungswissenschaft 
heraufgeführt? Sie sind nur Vorläufer einer Strömung ge— 
wesen, die erst in den fünfziger Jahren recht einsetzte und 
noch heute fortdauert: jener empirischen Psychologie, die hinab⸗ 
drang bis zu den nervösen Elementen, welche bald darauf die 
Kultur der Reizsamkeit bestimmen sollten — so wie die Psycho⸗ 
logie des 18. Jahrhunderts von der Empfindsamkeit ausging. 
Im Jahre 1851 erschien Ernst Heinrich Webers „Tastsinn 
und Gemeingefühl“, 1852 Lotzes Medizinische Psychologie, 
das Jahr 1856 brachte die Anfänge von Helmholtzens Physio⸗ 
logischer Optik; 1860 veröffentlichte Fechner seine Elemente 
der Psychophysik, und gleichzeitig trat die von Lazarus und 
Steinthal begründete Zeitschrift für Völkerpsychologie und 
Sprachwissenschaft ins Leben; 1863 wurden die Lehre von den 
Tonempfindungen von Helmholtz und die Vorlesungen über 
Menschen- und Tierseele von Wundt veröffentlicht. Die neuere 
empirische Psychologie war begründet.
	        
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