Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung. 
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Mach. Aber ihnen hält eine andere Gruppe die Wage, deren 
Mitglieder die Seele als ein Subjekt noch über den einzelnen 
experimentell untersuchten psychischen Vorgängen ansehen: so 
daß ihnen also nicht der gegebene psychische Prozeß und die 
Reihe solcher Prozesse die Seele ausmacht, sondern das über 
ihnen stehende Ichbewußtsein. Das ist die Ansicht von Wundt, 
von Rehmcke, von Höffding, von Paulsen. 
Nun versteht sich, daß vielfache Modifikationen dieser 
Grundansichten denkbar sind. Allein selbst wenn dies nicht der 
Fall wäre, genügt der bestehende Unterschied dennoch, die 
heutige Psychologie noch vielfach von den Schwankungen der 
Weltanschauung und von der jeweiligen ethischen und ästhetischen 
Auffassung der Seele durch die Zeitgenossen abhängig zu machen. 
Ist es z. B. nicht klar — und auch in diesem Buche gelegentlich 
schon dargelegt, — daß ein naturalistischer Impressionismus 
die bloße Aktualität annehmen, ein idealistischer sich mit dem 
Ichbewußtsein befreunden wird? 
Soll die Psychologie festes Fundament zeitgenössischer Er— 
kenntnis sein und werden, so bedarf es vor allem der Klärung 
des ungeheuren in ihrem Bereich angesammelten Thatsachen— 
materials durch eine entscheidende, durchgreifend überzeugende 
Synthese: sie allein kann die bestehende Gärung überwinden. 
Dann aber wird auch die Psychologie der Nervenvorgänge in 
ihrem Verhältnis zur Empfindung, und damit auch die 
Klärung der spezifischen Psychologie des gegenwärtigen Zeitalters 
mit besonderem und anderem Erfolge aufzunehmen sein als bisher. 
Wird nun bei dieser Lage die allgemeine Erkenntnistheorie, 
insofern für sie die Fundamentierung im Psychologischen nicht 
umgangen werden kann, heutzutage imstande sein, die An⸗ 
forderungen an eine allgemeine Orientierung zu befriedigen, die 
aus den Einzelwissenschaften an sie herandringen? 
Die Kantsche Erkenntnistheorie hatte sich vornehmlich auf 
die apriorische Erkenntnis, das reine Wissen bezogen und eben 
damit die Voraussetzung der Gedankendichtungen Fichtes, 
Schellings, Hegels geschaffen. Wie wir dagegen das empirische
	        
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