Weltanschauung.
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liegt aber auch die Herkunft dieser heutigen praktischen Tendenzen
klar zu Tage; sie gehen aus von den ethischen und damit
mittelbar auch von den ästhetischen Strömungen der Zeit. Eine
Normenlehre für die Wissenschaft bedeutet daher heutzutage die
Knebelung des wissenschaftlichen Denkens durch die Auffassungs⸗
weise eines Zeitalters ästhetischer und ethischer Hegemonie, die
Unterjochung der Wissenschaft unter die Phantasiethätigkeit.
Und eben in nichts besser als in diesem Zusammenhang zeigt
sich die Wandlung der jüngsten Zeiten. Um die Mitte des
19. Jahrhunderts noch Herrschaft der Naturwissenschaften und des
Historismus, Unterwerfung der Kunst unter eine philosophische
Asthetik, eine Wissenschaft der Kunst, die der Kunst selbst oft
recht fern stand — jetzt, seit Ende des 19. Jahrhunderts Sieg
der Kunst und die Wissenschaften in Gefahr, den normativ
durchgebildeten Erfahrungen der Kunst und den praktischen Vor—
schriften einer ästhetischen Sittenlehre zu unterliegen: das ist
der Wechsel!.
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1 Da ich selbst in entschiedenem Widerspruch zu den oben berührten
Lehren stehe, so habe ich sie im Texte nur kurz charakterisiert. Zum weiteren
Verständnis mögen Worte von Erich Adickes in der Deutschen Litteraturzeitung
1901 Sp. 652 dienen: „Windelband (der Erfinder und Hauptvertreter der
Normenphilosophie) meint, es sei mehr und mehr die Einsicht zum Durch—
bruch gekommen, daß der universelle psychophysische Parallelismus sich in
keiner Form halten und durchführen lasse; der Relativismus bedeutet für
ihn Abdankung und Tod der Philosophie, darum soll sie nur weiterleben
können als die Lehre von den allgemein gültigen Werten. So denkt W.:
doch er ist zunächst nur eine einzelne Persönlichkeit, in zweiter Linie
Vertreter und Sprecher eines Kreises Gleichgesinnter. Wäre aber dieser
Kreis auch größer, als er faktisch ist: seine philosophischen Ansichten
wären weder die einzig möglichen noch auch die heutzutage allein
verbreiteten. Man kann überhaupt nicht von „der“ heutigen Philosophie,
wie etwa von der heutigen Physik oder Biologie sprechen. Ich halte es
für eine Illusion, wenn W. von „wissenschaftlichen Begriffen“ redet, in
denen „die europäische Menschheit ihre Weltauffassung und Lebens—
beurteilung“ im Verlauf einer langen Entwicklung „niedergelegt“ habe und
„in denen damit die bleibende innere Struktur des menschlichen Geistes
zu klarer Erkenntnis gekommen“ sei (S. 8. 15). Nie wird es „die“
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