Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung. 
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füßler und des Menschen, durch rein chemisch-physikalische Vor— 
gänge, also mechanisch erklärt wurden. Allein schließlich stieß 
man bei den Versuchen einer solchen Erklärung doch auf Prozesse, 
denen gegenüber die rein mechanische Erklärung wenigstens 
einstweilen versagte. Und auch auf dem Gebiete der anorga— 
nischen Chemie und der Physik ergaben sich Vorgänge, wie 
z. B. die katalytischen Prozesse, deren Verlauf der Anwendung 
der bloß mechanistischen Methode zu spotten schien. 
So mußten denn andere Erklärungen gesucht werden. Und 
da wurde einmal die alte Lehre von einer besonderen schaffenden 
Lebenskraft neu belebt; und von Bunge ward zum Begründer 
des Neovitalismus. Darüber hinaus aber wurde eine besondere 
energetische Theorie ausgebildet, die von der Annahme einer 
krafterfüllten Materie ausging; deutlich hervor trat sie zum 
ersten Male in Ostwalds Vortrag „Die Überwindung des wissen⸗ 
schaftlichen Materialismus“ auf der Lübecker Naturforscher— 
versammlung des Jahres 1895. Läßt sie sich völliger durch— 
bilden, so würde sich ihr wohl der Neovitalismus als einer 
allgemeineren Prinzipienlehre unterordnen. 
Nun verrät ein Blick rückwärts auf die Anfänge des 
modernen metaphysischen Denkens wie auch auf die Entwicklung 
der Psychologie, wie sehr diese Lehren in Zusammenhang stehen 
mit innersten Strömungen des neuen Seelenlebens: es ist, als 
wenn ein Schritt noch rückwärts aus der Nervenphysiologie und 
den psychologischen Beobachtungen unterster Erscheinungen der 
seelischen Aktualität unmittelbar hinüberführen müßte zu etwas 
wie einer krafterfüllten Materie: und als wenn damit die 
Erkenntnis einer großen Einheit aller Wissenschaften unter sich 
und des Lebens mit ihnen, eine weitere Enthüllung monistischer 
Weltanschauung, bevorstünde. 
Die Frage ist nur, ob sich auch die einzelnen Geistes— 
wissenschaften einem solchen Ziele zu bewegen oder wenigstens 
eine Richtung aufweisen, die ein solches Ziel andeuten könnte. 
Die Beantwortung dieser Frage ist nur auf Umwegen 
möglich. Denn was sind die Geisteswissenschaften? Wo sind 
ihre Kernerscheinungen zu suchen? Was ist ihre Methode?
	        
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