Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung. 
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älterer philosophischer Metaphysik, verquickt mit gewissen 
Momenten des christlichen Fuhlens mehr als Glaubens und 
Denkens! 
So kann von einer traditionellen Methode der Geistes— 
wissenschaften als einer Gesamtheit kaum die Rede sein. Und 
ist es nicht die Voraussetzung einer festen Methode, daß 
wenigstens vorher feststeht, welche der einzelnen Disziplinen 
der Geisteswissenschaften denn eigentlich als Kerndisziplin zu 
bezeichnen sei? Da melden sich nun heute die ehrwürdigen 
Wissenschaften der Theologie und Jurisprudenz wohl nur noch 
schüchtern zu einer Herrscherstellung. In der That sind sie so 
wenig wie andere angewandte Disziplinen, die Erziehungslehre 
und die praktische Nationalökonomie etwa, noch zur Führung 
berufen. Welcher Disziplin aber gebührt die Vormacht? 
Der Gegenstand geisteswissenschaftlicher Untersuchung ist 
gegenüber der Natur der Geist. Und Geist heißt in diesem 
Zusammenhange nicht der seelische Charakter des Menschen in 
seinen fundamentalen Eigenschaften — den untersucht die 
Psychologie, — sondern der konkret gewordene Geist, das in 
der Welt ausgewirkte Seelenleben. Dies Leben aber ist das 
des vergesellschafteten Menschen. So wäre die Soziologie die 
Fundamentalwissenschaft? Gewiß: — wenn sich das soziale 
Leben nicht in sehr verschiedenen Stufen der Entwicklung in 
Raum und Zeit entfaltete. Die Soziologie bedarf also eines 
evolutionistischen Zusatzes, um zur Herrschaft berufen zu sein: 
und erhält sie ihn, so wird sie zur Geschichte: zur Geschichts— 
wissenschaft freilich im modernen Sinne, zu jener Geschichts— 
wissenschaft, deren Aufgabe es ist, die verschiedenen Ent— 
wicklungsstufen der sozialen Psyche in der Vergangenheit wie 
Gegenwart der menschlichen Gesellschaften aufzuhellen. 
Historische Soziologie, klare Einsicht in den Verlauf der 
stufenweisen Entfaltung des vergesellschafteten menschlichen 
Seelenlebens ist der Kern aller Geisteswissenschaft: nach diesem 
Ziele sind Segel und Steuer zu richten. Geschieht das aber, 
so tritt zugleich jene einheitliche Bewegung aller Wissenschaften 
auf die Erforschung der phyfischen und psychischen Kraft—
	        
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