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Conkunst.
Schattierungen der Stimmung ermöglicht. Indes diese Lieder
sind erst spät zu den Ohren eines größeren Publikums ge—
drungen. Man muß hier bedenken, daß Liszt in Ungarn ge—⸗
boren und seinem Wesen nach international war; das Lied
aber verlangt einen nationalen Lebensquell der Gefühle. Neben
dem Liede war dann die zweite volkstümliche Form der neuen
Musik die Oper. Auch hier fehlen Leistungen Liszts. Blieb
als dritte Möglichkeit, rasch und weit zugleich zu wirken, die
Klaviermusik übrig. Da hat Liszt viel geschaffen, aber seine
Klavierstücke sind meist schwer zu spielen.
Im Grunde war daher das Einflußgebiet Liszts begrenzt auf
das große Orchester- und das Chorwerk: in der neuen Kunst also
auf die symphonische Dichtung und das Oratorium. Auf diesen
Gebieten hat nun Liszt auch Großes geschaffen. Doch im Ora—
torium galt immer noch, ja soeben noch durch die Auffassung
Mendelssohns doppelt fest und scheinbar für immer begründet,
der kirchliche Charakter; und so sehr ihm Liszt in seinem
Christus“ und der „Heiligen Elisabeth“ gerecht ward, so war
doch das Gebiet infolge der herrschenden Ansicht ein begrenztes.
Liszts symphonische Dichtungen aber, „Tasso“ und „Hunnen⸗
schlacht“, „Die Ideale“, „Orpheus“ und „Prometheus“, vor
allem die „Faustsymphonie“ und die „Dantesymphonie“, hatten
in Wettbewerb zu treten mit der wunderbar reichen sympho—
aischen Erbschaft der klassischen Zeit und trafen fast überall
auf fest eingeschworene Bewunderer dieser.
So hat Liszt das Schicksal so vieler Großen geteilt; er wird
erst Generationen nach seinem Tode, und auch dann vielleicht
mehr in dem bewundernden geschichtlichen Verständnis der Zeit—
zenossen, als in seinen Werken leben.
Im übrigen ist es gut, sich diesen Zusammenhang zu ver—⸗
gegenwärtigen; erst an der Kehrseite der Erfolge Liszts bei
Lebzeiten läßt sich ermessen, welch ungemeine agitatorische Kraft
Wagner beseelt hat. Daß aber unter solchen Umständen stille
Kleinere der ersten Generation der neuen Kunst während ihres
Lebens nicht recht zu Worte gekommen sind, ist eigentlich selbst—
berständlich. Das war im ganzen das Los von Peter Cornelius