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Tonkunst.
übertrifft. Und grundsätzlich neigt er nicht zur Weiterbildung
der musikalischen Formen. Dennoch kann Brahms im weiteren
Sinne den Modernen zugerechnet werden. Er hat die neuen,
in der Ausbildung des Motivwesens höchster Einheitlichkeit
zustrebenden Formen zwar ebensowenig angewandt, wie er sich
der grell realistischen, nervenerschütternden instrumentalen Effekte
bediente, — wie ihn denn überhaupt eine innere Scheu abhielt,
sich in die Abgründe des modernen reizsamen Empfindungs—
lebens zu stürzen. Aber er ist doch von diesem Leben nicht
unberührt geblieben. In tausend Obertönen beben die
Schwingungen der Seele einer reizsamen Zeit auch in seiner
Seele und in seiner Musik mit. Dies reizsame Wesen tritt
uns entgegen in den vielen Rhythmen, die gegen das Metrum
gehen, in den unzähligen grüblerischen Harmonien und in ge—
wissen klanglichen Kombinationen, so im Gegenspiel höchster
Diskante mit tiefsten Bässen. Und wo Brahms in der alten
Diatonik schreibt, da klingt auch sie herb, wie bei den Modernsten,
und nicht mit der ihr in früheren Zeiten eigenen psychischen
Wirkung. So hat Brahms in heißem Erleben den alten
Stimmungsgehalt mit vielfach schon modernen Mitteln noch
einmal in außerordentlicher Weise vertieft. Es ist eine ganz
persönliche Art, eine in ihrer Weise einzige Vereinigung über—
lieferter und werdender Momente. Es ist eine Stellung, die
sich entwicklungsgeschichtlich mit der Bachs in einem anderen
UÜbergang von Zeitalter zu Zeitalter vergleichen ließe. Wie
es über Bach hinaus einen Fortschritt in seinem Stile nicht
gab, so wird ein Gleiches von Brahms gellen dürfen: als ein
nomo sui genoris wird er fortleben im Gedächtnis der Geschichte.
Oder sollte er sich den Übergangsidealisten vergleichen
lassen, die wir auf dem Gebiete der Malerei finden werden,
einem Böcklin, Thoma, Klinger? wäre Klinger nicht bloß zu—
fällig einer der feurigsten Verehrer des Meisters? Was dem
Musiker und den Malern gemeinsam erscheint, ist die Ver—
schmelzung von alt und neu im Feuer einer höchst persönlichen
Einbildungskraft.
Indes — uns interessiert hier nicht eigentlich der weitere Ver—