Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Sie werden Aristokraten 
Jeder intelligente Mensch kannte die lange und große 
Reihe von Betrügereien und Diebstählen, durch die 
Huntington, Stanford, Crocker und Hopkins sich durch- 
gearbeitet hatten, um ihren Reichtum zusammenzubringen. 
Doch wenn sie auch schwer beschuldigt wurden, so mußten 
sie doch nicht denselben Schmähungen und Vorwürfen be- 
gegnen, mit denen Jay Gould beständig überhäuft wurde. 
Im wesentlichen waren sie von demselben Schlage wie 
Gould; aber Gould stand vor den Verwünschungen des 
Volkes als ein Eisenbahnzerstörer da, während die Kritik 
an der Huntington-Gruppe immer durch die Bemerkung 
gemildert wurde: „Nun, wenn sie auch kolossale Summen 
gestohlen haben, so haben sie doch wenigstens große Eisen- 
bahnen gebaut und sind von großer Bedeutung für die Ent- 
wicklung des Landes gewesen.‘ Und sie hatten keine 
Schwierigkeit, sofort in die Kreise aufgenommen zu werden, 
die die „beste Gesellschaft“ repräsentierten. Die Frage, 
ob sie zugelassen werden könnten, wurde nicht aufgeworfen. 
Durch die Macht des Geldes wurden sie sofort ein Teil der 
Geldaristokratie. Durch die nämliche Macht des Geldes 
fand auch Huntingtons Adoptivtochter leicht Eingang in 
die vornehmen Kreise der europäischen hohen Aristokratie; 
sie heiratete im Jahre 1889 einen Prinzen Hatzfeld und erhielt 
ein väterliches Geschenk von mehreren Millionen Dollar. 
Huntington lebte wie ein Grandseigneur, wenigstens so- 
weit es sich um die Wohnung handelte. Er hatte ein Herren- 
haus in San Francisco; eine prächtige Besitzung in den 
Adirondack-Bergen, für welche er 250 000 Dollar bezahlt 
hatte; ein palastartiges ländliches Heim in Throgg’s Neck, 
N. Y.; und er baute mit einem Kostenaufwand von Millio- 
nen ein imponierendes Gebäude in der 5. Avenue und 57. 
Straße der Stadt New York!) — jener aristokratischen 
Straße, in die so viele Magnaten nach einer Laufbahn von 
Betrug und Diebstahl kamen, um sich hinter geziemendem 
1) Aber nachdem es fertiggestellt war, war er nicht zu bewegen, darin zu leben. 
Sein Grund war der Aberglaube, daß die Menschen ihre Häuser nur bauen, um darin 
zu sterben.
	        
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