Hier gibt es einmal eine Abweichung in der fast unver-
änderlichen Folge von Ähnlichkeiten. Über den Beginn
der Laufbahnen fast aller anderen Multimillionäre ist von
verherrlichenden Schriftstellern dieselbe Geschichte me-
chanisch niedergeschrieben worden: wie diese Männer als
arme Jungen anfingen, irgendwo einen kleinen Laden auf-
machten, Geld sparten und sich allmählich zu Reichtum
emporarbeiteten. Im neunzehnten Jahrhundert wurde der
Bezeichnung „Selfmademan“ eine unangebrachte Wich-
tigkeit beigelegt, insofern sie große persönliche Energie und
Tüchtigkeit bedeuten sollte; so viel Anerkennung schien
in ihr enthalten zu sein, daß sie immer als Lob ausgesprochen
und mit Stolz entgegengenommen wurde.
Dies konnte jedoch von J. Pierpont Morgan nicht gesagt
werden. Sein Vater Junius $. Morgan war ein Millionär.
Stufenweise aufsteigend, vom Farmerjungen zum Kommis
im Schnittwarengeschäft, zum Bankbeamten und Handels-
herrn wurde Junius S. Morgan Kompagnon von George
Peabody im Bankgeschäft. Als der Bürgerkrieg ausbrach,
wurden George Peabody & Co. zu den finanziellen Vertre-
tern der Vereinigten Staaten in England ernannt. Gleich-
zeitig mit dieser Ernennung fing ihr Reichtum plötzlich an
stark anzuwachsen; während sie bis dahin Reichtümer in
nicht bemerkenswert schnellen Etappen angesammelt hat-
pn fügten sie jetzt in sehr wenigen Jahren viele Millionen
inzu.
Die Laufbahn des Vaters
Biographische Berichte behaupten, daß es durch recht-
mäßige Bankoperationen geschah, wenn auch nicht aus-
einandergesetzt wird, worin diese Operationen bestanden.
Aber wenn wir dem Urteil und der Kritik, die zu dieser Zeit
in den amerikanischen Zeitungen erschienen, glauben sollen,
dann waren ihre Operationen nicht nur sehr weit davon
entfernt, rechtmäßig zu sein, sondern bewegten sich auf
dem Gebiete lebhaftesten Verrates. Die Verfassung der
Vereinigten Staaten definiert den Verrat als darin be-
stehend, daß Bürger gegen die Nation einen Krieg beginnen