Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Morgans erster Geschäftsstreich

Das erste feststellbare Geschäftsunternehmen J]. Pierpont
Morgans war einer dieser Armeekontrakte; und wenn es
auch nicht in so großem Maßstabe gehalten war wie die
älterer Kapitalisten, so war es doch (nach der herrschenden
kapitalistischen Auffassung beurteilt) ein sehr tüchtiger
Streich für einen jungen Mann von vierundzwanzig Jahren,
Sein Erfolg ließ in Zukunft viel größere Dinge erwarten,
und in dieser Beziehung wurden Morgans Bewunderer nicht
enttäuscht.
Im Jahre 1857 bezeichneten die Armeeinspektoren eine
große Anzahl Hallscher Karabiner als durchaus unbrauchbar
 und als ein veraltetes und gefährliches Muster. Die
Regierung verauktionierte daraufhin von Zeit zu Zeit große
Mengen davon zum Preise von je ı bis 2 Dollar; fünftausend
 davon blieben jedoch in dem in New York befindlichen
Armeearsenal und lagen noch dort, als der Bürgerkrieg ausdrach.

Am 28. Mai 1861 machte ein gewisser Arthur M. Eastman
aus Manchester, New Hampshire, der Regierung das Angebot,
 diese Flinten zu 3 Dollar das Stück zu kaufen. Die
Regierungsbeamten hätten, da sie die bei den Armeelieferungen
 herrschenden großen Betrügereien kannten,
bei diesem Angebot wohl Verdacht schöpfen können,
zogen aber augenscheinlich seine Ehrlichkeit nicht in Frage.
Die Flinten wurden zu je 3,50 Dollar an Eastman verkauft.
Aber entweder fehlte Eastman das Geld zur Bezahlung, oder
er war von einer im Hintergrund stehenden Hauptperson
als Strohmann vorgeschoben worden. Ein gewisser Simon
Stevens!) erschien jetzt auf dem Schauplatz und willigte ein,

1) Die Hausuntersuchungskommission für Regierungskontrakte berichtete im
Jahre 1862 dem Kongreß, daß Simon Stevens zu der Clique gehöre, die in die
Zollhausbetrügereien verwickelt war. Vor dem Jahre 1859 hatte der Zolleinnehmer
des New Yorker Hafens zum Überführen der Güter in die behördlichen Lagerhäuser
 für unverzollte Waren die Arbeiter und Fuhrleute aus dem Warenhause des
Taxators verwendet. Im August 1859 schloß Zolleinnehmer Schell (ein bestechlicher
Tammany-Politiker) einen Kontrakt, wonach das Überführen einigen seiner politischen
 Genossen übertragen wurde. Sie erhielten jährlich 123 000 Dollar. „Durch diesen
Kontrakt.“ so berichtete der Vorsitzende Van Wyk, „verdienten die Betreffenden
            
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